Spuren von Menschen – Kunst kennt keine Barrieren

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Menschen möchten gerne Spuren hinterlassen. Das gilt für alle Menschen, also auch für Menschen mit Behinderungen. „Aber wie geht das?“, fragt der Heilerziehungspfleger und Künstler Romano Gurgi-Mondigi. Das künstlerische Schaffen von Menschen mit Behinderungen ist oft nicht zu sehen. Ein Mensch mit Behinderung kann meistens nicht dafür sorgen, dass die eigene Kunst sichtbar wird.

Gurgi-Mondigi meint, dass „im Kleinen jeder Mensch die Welt bewegt. Da geht es nicht um Berühmtheit oder Welt-Politik“. Er beklagt, dass betrunkene Passanten in einer Stadt wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen würden als Menschen mit Behinderung, die im Keller sitzen und malen. Daher machte er mit behinderten Menschen eine Kunst-Aktion. Die Werke behinderter Künstler:innen sollten Öffentlichkeit erhalten. Sie sollten somit Spuren hinterlassen. Im Sommer 2021 wurde eine Zusammenarbeit mit der Augsburger Moritzkirche und dem Domenikus-Ringeisen-Werk beschlossen. Gurgi-Mondigi erstellte mit behinderten Menschen verschiedene Kunst-Werke. Er besorgte das nötige Material, die Farben, die Pinsel, die Werkzeuge. Die Kunstwerke wurden von den Künstler:innen selbst geschaffen. Es entstanden ja nach Begabung Bilder, Collagen, Skulpturen und Figuren. Diese wurden dann im Begegnungs-Café „moritzpunkt“ ausgestellt. Der Titel der Ausstellung lautete: „Unsere Spuren – Kunst kennt keine Barrieren.“

Die Ausstellung zeigte, dass künstlerisches Tun keine Frage einer körperlichen oder geistigen Einschränkung ist. Denn Kunst ist keine Erfindung, sondern eine Schöpfung. Gurgi-Mondigi freut sich über das Interesse an der Ausstellung und neue Kontakte. Diese können neue Aktionen mit offenen Werkstätten ergeben. Auch Workshops mit der der Universität in Augsburg. Für den nächsten Sommer plant Gurgi-Mondigi eine öffentliche Veranstaltung mit malenden Rollstuhlfahrer*innen auf dem Augsburger Moritzplatz. Gurgi-Mondigi weiß: „Im Begegnen und Vertrauen können Barrieren abgebaut werden.“

Die Filmemacherin Stefanie Sixt hat darüber einen Film erstellt. Sie zeichnet das Entstehen dieser besonderen Kunst nach. Auch die Ausstellung wird im Film gezeigt.

Text: Arno Loeb, Barbara Thiele, Foto: Arno Loeb