Unsere erste Sendung

Kleines Flugzeug zieht Werbebanner mit Schrift Hörwerk – Jetzt live vor wolkigem Himmel.

Am 26.05.2021 war es soweit. Unsere erste Live-Radiosendung war zu hören. Auf dem Augsburger Sender stayfm.com. Es war aufregend! Eine neue Erfahrung. Im Studio war Susanne Thoma vom hör:werk-Team. Unterstützt wurde sie von Christian Peters. Er kennt sich mit der Technik gut aus und war ein toller Gesprächspartner. Es gab Musik und Textbeiträge. Musik von regional bekannten und Augsburger Künstler:innen war dabei. Michaela Dietl, die Akkordeonkünstlerin, war an der Eingangsmelodie beteiligt. Und die Augsburger Folkgruppe John Garner war zu hören. Dann kamen die anderen hör:werk-Mitarbeiterinnen Barbara Thiele und Lina Mann zu Wort. Interviewt wurde außerdem Claudia Nickl, die Vorsitzende des Behindertenbeirats der Stadt.

Transkript

Jetzt geht’s los, jetzt ist es soweit. Du wolltest es ja so… Live aus dem Habitat. Klang doch ganz okay.

Ja. Also, Sendestudio Stay FM, unser Jingle, den haben wir jetzt mal so vom Handy abgespielt, weil, kleines technisches Malheur, aber ist ja alles nicht schlimm, wir üben ja, weil das auf dem Player hier an der schicken Apparatur, vor der ich jetzt sitze, nicht richtig funktionieren wollte. Ja, willkommen beim Hörwerk, unser Mittagstalk.

Ich bin Susanne Thoma und ich bin hier nicht allein, wie man schon gehört hat und die Mitwirkenden, die stelle ich euch im Laufe der Sendung alle mal vor. Also, neben mir Chris Peters an den Reglern, hallo Chris.

Hallo Susanne, hi, grüß dich.

Ja, der Jingle, an dem hast du ja schon mal mitgewirkt, dank doch auch erstmal dafür.

Sehr gerne, hat Spaß gemacht.

Wir haben gehört, die Stimme und das Akkordeon von Michaela Dietl, die großartige, wunderbare Michaela Dietl.

Jetzt hören wir erstmal Musik, und zwar einen Song, muss ich echt erzählen, ich bin ja mit der Schlagerwelt meiner Eltern natürlich, wie viele von uns auch groß geworden und es kam aber irgendwann meine Tante, die vier Jahre älter war als ich, vorbei und sagt, ach, da habe ich noch viel bessere Platten, die spiele ich dir jetzt mal vor. Und das ist das erste Stück, wo ich sagen würde, da, da bin ich so in die Rockwelt so langsam mal hineingeraten. Ich wurde beatinfiziert, wie man damals gesagt hat.

Beatinfiziert ist ja so eine Vokabel, interessant.

Und ich spiele euch jetzt mal vor den Titel von T-Rex, Hot Love. Ja, Hörwerk, also, es ist ein Projekt von Pareaz e.V., bei dem ich arbeite, und der Verein, der engagiert sich vor allem in der Nachbarschaftsarbeit.

Ja, und dieses Hörwerk, was ist das jetzt für ein Format?

Wir wollen über Kunst und Kultur in den Stadtteilen sprechen und darüber, wie alles inklusiver werden kann. Das ist so unser Anspruch. Ich selber bin jetzt Podcasterin schon seit vielen Jahren und ich habe auch verschiedene Soundprojekte gemacht mit Soundkünstlerinnen, Hörcollagen produziert, zum Beispiel mit der Rapperin Sophie T., die in Augsburg ja durchaus sehr bekannt ist. Ja, und manche von den Hörerinnen und Hörern kennen vielleicht auch noch das Radio Reese, das auf meine Kappe geht. Das war ein Podcastprojekt über mehrere Jahre mit geflüchteten Jugendlichen zum Beispiel. Ja, der Titel Hörwerk lehnt sich an an Gaswerk.

Ja, dort sind wir mit der Initiative Gasius Works im Bereich Kunst- und Kulturvermittlung tätig und ja, zum Beispiel mit unserem Partnerverein auch Gaswerkfreunde Augsburg e.V. Die meisten kennen das auch, diesen Verein. Wer mal auf dem Gaswerk war, sieht ja, dass da auch dieses Museum ist, das die Gaswerkfreunde betreiben, in Stand halten und Führungen und Aufstiege auf den Gaskessel organisieren.

Gasius Works, ja, woher kommt jetzt der Name wieder? Also viele wissen es nicht.

Das Gaswerk hat einen Schutzpatron und das ist nämlich der Gasius. Wusstest du das?

War das eine real existierende Person? Gasius, der heilige Gasius?

Nein, es ist nicht heilig, hat nichts mit Religion zu tun. Es ist eine Erfindung oder eine Entdeckung von ehemaligen Gaswerk-Mitarbeitern. Und zwar ist Gasius eine Erscheinung, die sieht man jetzt schön im Frühjahr, Mai, Juni, und zwar ist es letztendlich nur eine Schattenfigur, ein Schatten, der geworfen wird von einer Treppe. Und auf dem Teleskopgasbehälter 2, also auf dem Teleskopgasbehälter, erscheint dann so ein Schatten, es sieht aus wie ein Engel.

Ach was, echt cool, und den sieht man immer noch?

Den sieht man morgens um halb 10 so ganz gut, und da wandert die Sonne weiter, dann ist er natürlich verschwunden. Und das Tolle ist, dass Gasius eben der Schutzpatron wurde, und immer, wenn ein Unfall passierte, und Gaswerk ist wenig, also sind wenig Menschen zu Schaden gekommen, trotz dieser Gefährlichkeit des Arbeitsplatzes eigentlich, und dann haben die immer gesagt, der St. Gasius hat wieder geholfen. Ja, und da sind wir jetzt mit unserem Verein auch aktiv, und haben verschiedene Kunst- und Kulturprojekte vor, also alles immer mit Einbeziehung der Nachbarschaft. Viele Leute sollen am Gaswerk mitwirken können, teilhaben können.

Und eine Band, da kommt jetzt Musik als nächstes von der Band, die treffe ich zum Beispiel fast jeden Tag, die kennen natürlich auch viele aus Augsburg, und zwar ist das John Garner.

Und welchen Song hören wir von denen?

Also von John Garner hören wir Living on a Big Screen, der neueste Song, erst seit ein paar Tagen released.

Okay, let’s go.

Oh, ganz schön rockiger Song von Miley Cyrus. Du, also von einer Montana-Darstellerin bis irgendeiner Rock-Lady, da ist schon eine Entwicklung drin. Live gesungen, und ja, das Original ist natürlich von Pink Floyd, The Wall, war für mich auch eine ganz bedeutende Musik, 1979 rausgekommen.

Das ist ein guter Jahrgang. Also unsere Eltern haben ja getobt.

Ah, da bist du geboren, gell? Unsere Eltern haben natürlich getobt, weil die langhaarigen und so.

Ja, was ich noch sagen wollte, John Garner, will ich auch noch was nachschieben, und zwar sensationell war natürlich, dass die diese ProSieben-Show gewonnen haben, My Hit, Your Song. Und zwar haben die eine neue Interpretation des Songs Dear Darling von Olly Murs dargeboten. Und Olly Murs hat selber auch mitgebotet.

Also es gab da verschiedene Leute, die diese Songs in ihre Interpretation gebracht haben. Und ja, John Garner hat gewonnen und hat das Preisgeld noch dafür bekommen. 20.000 Euro, ja.

Nicht schlecht. Wann war das?

Ich glaube, es war vorletztes Jahr, aber letztes Jahr war ja nicht viel.

Und das ist auch so eine Castingshow quasi im Fernsehen?

Nicht Casting. Das ist eher eine Musikshow, wo junge Bands zeigen können, was sie draufhaben.

Ah, okay. Ja, Comfortably Numb war jetzt das von Miley Cyrus. Aber das heißt ja, angenehm betäubt sind wir heute nicht. Wir sind hellwach. Ich wollte dich mal fragen, Chris, also du bist ja nicht nur der Regler, der Mensch, der jetzt die Pegel hier überwacht, sondern du hast ja selber auch inklusive Ansätze oder hast mit Inklusion und Kunst zu tun gehabt. Und zwar Patrick Trick. Sag uns doch mal darüber was.

Also Patrick Strick ist ein Theaterstück von, ich glaube, was heißt der Christo Zagor? Ich glaube, so ist der Name gewesen von dem Autor. Ich meine, er ist aus Tschechien, aber ich bin mir jetzt auch nicht ganz sicher.

Oder Kroatien, ich weiß nicht. Auf jeden Fall osteuropäisch. Und es ist ein Kinder- und Jugendtheaterstück für Kinder ab neun oder elf, so um den Dreh.

Und es geht um einen jungen, also ich muss vielleicht dazu sagen, ich bin auch für alle, die mich nicht kennen, halt auch freischaffender Schauspieler. Also es ist halt mein Beruf, den ich studiert habe und lange Jahre ausgeübt habe und so. Und das auch immer noch ab und zu tue.

Und hier in Augsburg bin ich ja vor vier Jahren wieder gelandet, nachdem ich irgendwie einfach wieder Lust hatte, zurück in die Heimat zu gehen. Und dann hat sich ein Kontakt ergeben mit dem jungen Theater Augsburg, die auch im Abraxas-Gebäude ihren Sitz haben. Und ein alter Kollege von mir, ein alter Freund der Winnie Kropper, der hat da Regie geführt bei einem Stück, das da eben heißt Patrick’s Trick.

Und da wurde noch ein Schauspieler gesucht. Und dann hat er eben erfahren, dass ich wieder zurück bin in meiner Heimatstadt in Augsburg. Und dann hat er mich dann direkt angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust habe, da mitzuspielen.

Und in dem Stück geht es eben um einen elfjährigen Jungen, der einen Bruder bekommen wird. Ich glaube, so viel ist schon sicher, dass es ein Bruder sein wird. Und dann …

Er hört dann die Eltern, wie sie darüber sprechen.

Er hört, wie die Eltern darüber sprechen und findet langsam raus, dass irgendwas mit diesem neuen Bruder nicht stimmt. Dass der irgendwie nicht ganz, in Anführungsstrichen, normal ist. Und dann findet er eben heraus, dass es beziehungsweise in dem Stück, ich gehe es nochmal anders an, es ist kein Monolog oder so.

Die Eltern sind auch nicht zu sehen. Also es ist quasi so Erzähltheater. Die Erzähltheaterform ist da gewählt, wo man als Schauspieler auch in verschiedene Rollen dann schlüpft.

Also es gibt eine Hauptfigur und dann aber ganz viele Nebenfiguren. Und man kann da einfach schnell hin und her wechseln und dann auch wieder mit Erzähltexten sich ans Publikum wenden und sagen, wie es dann weiterging. Und das war so die Form, in der das Stück stattfindet.

Es ist eben so, dass er sich seinen Bruder so stark vorstellt und sowas geht halt im Theater sehr gut, dass plötzlich sein Bruder erscheint. Seine Gedanken manifestieren sich und er stellt sich seinen Bruder vor. Er erscheint in Form eines zweiten Schauspielers und die beiden machen sich dann auf eine gedankliche Reise.

Aber nicht nur gedanklich, sondern auch in Real letztendlich klamüsern sie gemeinsam aus, wie sie am besten miteinander umgehen. Weil, und jetzt kommen wir zum Knackpunkt der Geschichte, er findet raus, dass sein Bruder Trisomie 23 haben wird.

21.

21, Entschuldigung, ich bringe das immer durcheinander mit den Zahlen. 21, also Down-Syndrom. Und genau, da bereitet er sich dann darauf vor.

Was mich interessiert ist, wir hatten da das Publikum, also die Kinder und Jugendlichen, wie haben die so reagiert? Wie gehen die mit so was um, mit solchen Themen?

Ach, sehr gut. Ich finde, das Stück ist auch so gut geschrieben und so leicht auch geschrieben, mit so viel Leichtigkeit und Witz und Humor, dass es nicht schwer ist, da in die Geschichte reingezogen zu werden. Und ja, also diese Form von Handicap oder so wird nicht ausgespielt in dem Stück.

Der Bruder ist ja noch nicht da. Und er stellt ihn sich erst mal als ganz normal sein kleiner Bruder vor. Und wie ist es dann? Was machst du denn dann, wenn du dann schreist? Oder wie soll ich denn dann darauf reagieren? Und was wird denn anders sein? Und all diese Fragen werden in dem Stück jetzt nicht eins zu eins beantwortet.

Es gibt jetzt keinen Top-Lösungsvorschlag oder so. Das ist nicht die Aufgabe des Stückes. Das sind Fragen in den Köpfen.

Genau. Und es entwickelt ein Bewusstsein und eine Feinfühligkeit für das Thema. Und das ist, finde ich, gut gegeben und gut erfüllt in dem Stück.

Also mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Es wird aber zurzeit nicht gespielt. Aber die Schulen können es anfordern, habe ich gesehen.

Er macht dann auch Workshops in den Schulen, wenn das gewünscht ist. Steht das so noch auf der Internetseite? Ich meine, jetzt zurzeit findet eh nicht viel statt. Aber man könnte es ja wieder aufgreifen.

Könnte man theoretisch machen. Also ich glaube, die ganze Ausstattung und so. Und es gab nicht viel Ausstattung.

Wir haben wirklich ein sehr minimalistisches Bühnenbild gehabt von der Franziska, der Ausstatterin. Und das war sehr reduziert. Und diese paar Requisiten, die wir so 2D-mäßig irgendwie auf Kartons gemalt haben und ausgeschnitten haben, also die so cartoonhaft irgendwie rein- und rauskommen, die gibt es, glaube ich, alle noch.

Die brauchen nicht viel Platz zum Einlagern. Und ja, das könnte man noch spielen. Aber es ist schon, wann war denn das? 2018 hatten wir damit meines Erachtens Premiere, genau.

Und jetzt haben wir schon 2021. Ich glaube, wir haben es noch ein zweites Jahr gespielt. Und dadurch, dass der Kollege, mit dem ich das zusammengespielt habe, der Stephan Vogelhuber, nicht aus Augsburg ist, sondern in München, musste er immer anreisen.

Das war jetzt nicht das große Problem. Aber wie es halt oft so ist in kulturellen Produktionen, Projekten und auch gerade Theaterstücken, gerade wenn es in den pädagogischen Bereich geht und Kinder- und Jugendtheater betrifft, da gibt es oft Förderungen. Und diese ist dann wieder ausgelaufen.

Die war dann einfach aufgebraucht. Und dementsprechend waren die Gelder nicht mehr da, um das zu subventionieren und so. Aber wir haben viele Workshops gegeben mit dem Thema.

Ich war dann auch tatsächlich dabei mit einer Kollegin von mir, der Theaterpädagogen Kathrin Jung. Schöne Grüße an der Stelle, falls du zuhörst. Und mit der sind wir zusammen dann immer in die Klassen gegangen, wenn sie wollten, wenn sie uns dann bestellt haben zum Workshop.

Und das war immer ganz toll und hat immer sehr viel Spaß gemacht. Da hat man dann nochmal über das Thema gesprochen. Die Kinder konnten nochmal die Rollen spielen, gegenseitig interviewen in den Rollen und so.

Und es war ein schöner Perspektivwechsel, fand da statt. Bei den Kindern auch.

Okay, hört sich gut an. Aber sag mal, Chris, du hast ja erstens mal mehrere Namen und auch noch andere Hobbys und Funktionen und bist ja an vielen Stellen unterwegs. Easy P, hast du ja unter Umständen auch genannt, oder so heißt auch dein Name bei StayFM. Du hast ja auch eine eigene Show. StayFM, wollte ich gerne dich noch nach einer fragen. Wir sind ja hier im Studio von StayFM. Das ist ein Verein, ein fantastischer Service, das wir mit unserem Projekt ja auch mit andocken können. Du bist ja auch Vorstand, oder?

Ich bin seit jetzt einem halben Jahr oder so der Vorstandsvorsitzende. Also ich bin in die Fußstapfen von Jürgen Pranz getreten, der das ganze Projekt gestartet hat. Und mich damals dann eben auch vor gut zwei Jahren, bald schon drei, dann auch gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, eine Sendung zu übernehmen.

Da war ich dann eben schon wieder in Augsburg und dann bin ich auch fast von Anfang an mit dabei. Und habe sehr viele Sendungen schon gemacht. Ich glaube, beim Magic Voodoo Club bin ich ungefähr bei 80.

Wow, das müssen wir auch mal schaffen.

Ja, und dann im Zuge von Corona, Lockdown und so, haben wir dann uns mit einem jungen Theater, bei dem ich ja freischaffend arbeite und viel in Kontakt stehe, hat sich dann ergeben, dass wir hier auch eine Kindersendung gemacht haben. Also das junge Theater.

Alles noch schön im Archiv nachzuhören, finde ich ganz wunderbar. Macht das mal, Leute. Ja, lohnt sich.

Ich möchte euch jetzt mal noch weitere Redaktionsmitglieder von unserem Hörwerk vorstellen. Und zwar spielen wir jetzt mal ein Interview, das ich mit Barbara Thiele gemacht habe. Barbara, sie kann ja jetzt nicht da sein.

Also Corona-bedingt wissen wir ja, jetzt haben wir das mal so aufgenommen und spielen das ein. Okay. So, wie gefällt dir denn jetzt unser Jingle? Ja, den Jingle finde ich total klasse.

Bin auch ganz stolz drauf, weil wir haben den ja zusammen entwickelt. Online Brainstorming mit kreativen Methoden. Ah ja, das war auch ganz produktiv.

Und toll fand ich auch, dass du, Susanne, dann mit dem Textschnipse in den Scheibengasbehälter vom Gaswerk gegangen bist und dort die Aufnahme gemacht hast. Ja, also der Hall, der Ruf in den Scheibengasbehälter. Wir kennen uns ja viele Jahre schon, haben früher zusammen in Berlin gearbeitet und dort Frauen IT nahegebracht und Berufsorientierungsberatung gemacht und sind auch Podcasterinnen sozusagen.

Beinahe der ersten Stunde machen wir schon sehr lange. Da hast du ja eine Podcast-Reihe namens „Wir sind das Web“ ins Leben gerufen. Und Frauen wurden dort porträtiert, die viel mit dem Internet arbeiten und dort beruflich erfolgreicher sind.

Ja, das fing, keine Ahnung, 2007 an. Das war schon früher, ich glaube, ein paar Jahre davor schon. Okay, also auf jeden Fall vor langer Zeit.

Ja, und diesen Podcast, den gibt es übrigens immer noch. Also unser Hörwerk, was hast du denn jetzt da für Aufgaben in unserem Projekt übernommen? Ja, also wir haben eine begleitende Website, das ist hörwerk.de. Also hier liegt ein Schwergewicht meiner Arbeit im Bereich Redaktionsassistenz. Für diese Website mache ich Beiträge zu den Themen Stadtgesellschaft, Stadt, Kultur, Natur, Kunst.

Hier ist auch schon was zu sehen. Du bist ja journalistisch tätig, jetzt auch schon eine ganze Weile. Würdest du dich als Webredakteurin bezeichnen? Ich schreibe ja jetzt seit über einem Jahrzehnt Webbeiträge.

Ich unterrichte auch das Thema internetgechtes Texten und was ich an dieser Website hörwerk.de spannend finde, ist, dass wir dem inklusiven Ansatz folgen und als Standardsprache im Redaktionssystem einfache Sprache eingestellt haben und die ausführliche Sprache, die gibt es, wenn ich darauf klicke, wird die über das Übersetzungstool ausgegeben. Das finde ich einen ganz, ganz schönen Ansatz, der eben inklusiv ist.

Wie bist du denn da mal mit Barrierefreiheit, Kunst, Kultur in Berührung gekommen? Du hast mir ja davon erzählt, dass dich ein Junge fasziniert hat, der erblindet ist, aber fotografiert.

Ja, das war durchaus einer meiner ersten Berührungspunkte, etwas, was ich so nicht kannte. Ich habe die Mutter getroffen, der Junge hantierte da mit einer Kamera und ich war ganz fasziniert. Dann hat er mir erklärt, dass er Fotos macht und hat mir auch ein paar gezeigt und das fand ich ganz beeindruckt und war mir völlig neu.

Mittlerweile weiß ich, dass eben auch blinde und sehbehinderte Menschen fotografieren, also mit Assistenz oder ohne. Es gibt eben ein großes Nichtwissen von nichtbehinderten Menschen und wenn ich diese Geschichte heute noch anderen erzähle, dann ernte ich immer ganz viel Unverständnis und das würde ich mir wünschen, dass hier mehr passiert. Also ein größeres Verstehen und ein Zusammengehen.

Kunst und Kultur und Inklusion geht es ja bei unserem Mittagstalk drum und ich finde, es passiert schon einiges in Augsburg. Die Beispiele wollen wir ja auch bringen.

Und als nächstes wollte ich einmal die Sicht des Behindertenbeirats auch nahe bringen. Und zwar gibt es ja die Claudia Nickel. Claudia ist die Vorsitzende schon viele Jahre im Beirat und der Beirat setzt sich ja zusammen aus Vertreterinnen von betroffenen Menschen, also die behindert sind, oder auch aus Organisationen von Verbänden der Behindertenarbeit.

Sie wird uns mal berichten, wie der Behindertenbeirat so auf die Sache guckt. Menschen zum Beispiel mit Sinnesbehinderungen brauchen natürlich ganz besondere Ausstattungen, um überhaupt in der Kultur teilnehmen zu können.

Da sind wir aber mittlerweile schon gut dabei. Ein Beispiel, wie jetzt das neue Staatstheater, was entstehen soll, da sind wir von Anfang an mit eingebunden und wir hatten erst kürzlich wieder ein Gespräch mit den zuständigen Architekten und den Verantwortlichen und ich war sehr angetan, wie barrierefrei das neue Staatstheater werden wird. Auch im Bereich Akustik, auch im Bereich für Menschen, die blind sind, für Menschen, die gehörlos sind.

Und wie kann man sich das dann vorstellen? Was haben Sie da für Anlagen? Zum Beispiel im Bereich Gehörlos braucht man einen Gebärdendolmetscher, das ist klar. Aber Menschen, die schwerhörig sind, das trifft ja auch sehr viele Menschen, die älter werden, da gibt es, das nennt sich heutzutage Hörschleifen. Die werden gleich mit eingebaut, am besten immer im Boden.

Und die ermöglichen dann einen sehr guten akustischen Glamour. Die Menschen dann auch mit ihren Hörgeräten können die sich individuell so einschalten, dass es für jeden angenehm ist. Ich habe mitbekommen, dass Sie im Bereich der Museen schon einiges gearbeitet habt in den letzten Jahren.

Im Textilmuseum entstand dieses Augsburg 2040 Utopien einer vielfältigen Stadt. Das heißt, wir haben gemeinsam und da rede ich jetzt nicht für mich, sondern ganz alt mein Fokus auf dem Bereich Museen und Kunst, wo wir sehr engagierte Mitglieder haben, aufbauen, die wirklich zusammengearbeitet haben in vielen Workshops. Wie stellt man sich die Stadt 2040 vor? Was muss alles verbessert werden? Was entstehen für neue Ideen? Dass niemand mehr in unserer Gesellschaft ausgeschlossen ist, jeder selbstbestimmt teilhaben kann und das in jeder Lebenslage.

Und andere Museen?

Das sind sehr viele alte Gebäude, die natürlich schlecht barrierefrei gemacht werden können. Aber wir sind sehr stolz. Wir haben vor ungefähr 25 Jahren den Erstantrag gestellt, unser wichtigstes Museum in Augsburg ist der Schätzlerpalais. Das war ja natürlich überhaupt nicht barrierefrei. Da entsteht gerade ein Glasaufzug im Innenhof des Gebäudes, wo alle Stockwerke dann erreichbar sind. Darauf sind wir sehr stolz, weil das war ein wirklicher Kraftakt, das zu bekommen. Das hat mit uns der Herr Gribel dann noch in seiner Amtszeit wirklich auf den Weg gebracht, dass wirklich nicht bloß der erste Stock erreicht werden kann. Das heißt nur, wo immer diese Dauerausstellung ist, sondern im zweiten Stock sind ja immer diese Sonderausstellungen und Wechselausstellungen. Und auch dieses Stockwerk kann jetzt barrierefrei erreicht werden.

Und im Bereich Audiodeskriptionen, also für viele Menschen, die erblindet sind?

Genau, da gibt es jetzt schon Museen, die das anbieten. Die Audiodeskriptionen haben sie da. Man muss sich halt anmelden und es gibt teilweise auch Führungen durch die Museen für besondere Gruppen, die also auch zum Beispiel Menschen, die blind sind, dass man im Museum einiges macht, wo ertastbar sind, wo die Menschen dann einfach die Skulpturen oder was auch immer geht, erklärt bekommen.

Also wir haben auch ganz unterschiedliche Museumsleute, die genau auf diese Dinge spezialisiert sind. Es gibt Gruppen für gehörlose Menschen, die die Führungen durch die Häuser bekommen. Wie jeder weiß, hat die Stadt auch schon mehrere Museen.

Und jetzt arbeiten wir in Zusammenarbeit mit dem Maximilienmuseum. Das heißt, die Ausstellung Stiften gehen und die soll Ende August beginnen. Und da haben auch meine Mitglieder vom Behindertenbeirat ganz eng mit den Museen zusammengearbeitet.

Da gibt es jetzt auch eine Broschüre drüber, wo der Behindertenbeirat auch wirklich sehr lobend erwähnt worden ist.

Ja, Claudia Nickel. Engagiert, ne?

Sehr engagiert. Ja, sie begreift sich oder den Behindertenbeirat als Nadelöhr zum Stadtrat, um das alles durchzusetzen. Sinnvoll, ja. Die Ausstellung ist super gewesen.

Ist die noch? In Tim? Ich habe damals eine Führung erarbeitet, eine Theaterpädagogische Führung für Schulklassen zu dem Thema. Das war sehr interessant. Ja, als nächstes möchte ich jetzt euch noch eine weitere Hörwerkerin vorstellen, und zwar Caroline oder Lina.

Caroline, Lina, hat ein ganz wunderbares Programm entwickelt, und zwar geht es um die Augsburger Basilika am Ulrichsplatz, wie man die Menschen mit Behinderung, also speziell für blinde Menschen, zugänglich machen kann. Und zwar haben die ganz toll ein Studierendenprojekt mit der Hochschule da gehabt und haben Tastmodelle gebaut, also zum Beispiel vom Hochaltar oder vom Kreuzgewölbe. Und dazu gibt es Beschreibungen, die man sich vorlesen lassen kann.

Und ja, das Besondere ist natürlich auch, dass die Betroffenen aktiv an diesem Projekt mitgearbeitet haben und die Interaktion mit den Studierenden, mit den Betroffenen und ja, und hier ist das Gespräch mit Lina, das ich im Vorfeld geführt habe. Wir zwei, wir machen ja schon eine ganze Weile jetzt zum Thema Kultur, Kunst, Inklusion, verschiedene Projekte zusammen, und ja, ich bin ganz dankbar, dass ich dich da getroffen habe. Hast du mich getroffen? Hast du mich gefunden? Oder hast du mich gesucht? Oder bist du auf mich gekommen? Ja, der Jürgen Kallner hat gesagt, ich soll da mit dir sprechen.

Also Jürgen Kannlerr, Chefredakteur von A3 Kultur, weil ich die Idee hatte, dass ich gerne mehr zum Thema Kultur, Inklusion auch was machen will. Und ja, dann meinte er, soll ich mich an dich wenden? Und da war ich da genau richtig.

Er hat zu mir auch mal gesagt, oder ich habe mal zu ihm gesagt, Jürgen, mach doch was über die erste Audiodeskription, nämlich dass ein Theaterstück für blinde Menschen auch sichtbar wird. Und dann hat er gesagt, warum machst du das nicht? Du bist doch die Expertin für blinde und sehbehinderte Menschen. Also du bist ja mit verschiedenen Standbeinen unterwegs.

Also zwei Beine reicht bei dir ja fast schon gar nicht. Du bist einerseits Carolin Aumann. Als Carolin Aumann bin ich Referentin bei der Behindertensegelfrage hier im Bistum Augsburg.

Und da Referentin für Menschen und Sehsorger vor allen Dingen, für Menschen mit Sehbehinderung, Blinde und Menschen, die eben eine Sehschädigung haben. Aber dann gibt es ja noch die Lina Mann. Genau.

Als Lina Mann bin ich hauptsächlich als Fotografin unterwegs oder eben halt im Bereich der Kunst, der inklusiven Kunst auch. Und was heißt das jetzt? Also inklusive Kunst ist jetzt schon ein großes Wort. Genau.

Also wir kennen Inklusion ja so im engen Sinne, da geht es immer so um behinderte Menschen. Aber heute kann man ja Inklusion auch weiterfassen oder sollte es auch weiterfassen? Also bei mir Inklusion habe ich kennengelernt, als ich einige Jahre bei der Stadt Augsburg mitarbeiten durfte, an der Erstellung des Aktionsplans Inklusion. Und da bin ich zum ersten Mal so richtig wachgerüttelt worden.

Was bedeutet denn das Inklusion? Ich habe mir dann gedacht, Inklusion kann man nicht machen. Inklusion, das muss wachsen, das sind kleine Schritte. Und vor allen Dingen, das betrifft nicht nur Menschen mit einer Behinderung, sondern die ganze Gesellschaft.

Das war so ein Schlüsselerlebnis bei mir. Als ich dabei war, jetzt muss ich noch näher Mark nennen. Als ich dabei war, zeigt uns niemand das Video.

Als ich den Inklusionspreis bekommen hat, überreicht hier ein Kongress am Tag in Augsburg von Bayerischen Blinden und Sehbehinderten. Warum haben die den Preis bekommen? Ja, warum haben die den Preis bekommen? Smartphone auspacken, Smartphone einstecken, Smartphone benutzen. Also fast alle Barrieren sind weg.

Und so können Menschen mit einer Beeinträchtigung teilhaben am Leben ohne große Mühen. Natürlich muss man lernen, so wie jeder von uns lernen muss, wie man umgeht mit einem Smartphone. Aber dann müssen alle Barrieren weg sein.

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