Am 15. September waren wir wieder zwei Stunden auf Sendung. Durch unseren Mittags-Talk zu Kunst, Kultur und Inklusion führte dieses Mal Lina Mann. Unterstützt wurde sie von Susanne Thoma und Christian Peters. Studiogast war die vielseitige Claudia Böhme. Menschen mit Beeinträchtigungen für kulturelle Angebote zu gewinnen und zu begeistern ist ihr ein Anliegen. Sie selbst lebt mit einer Seheinschränkung. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaften studiert und einen Master der Fachdidaktischen Vermittlungswissenschaft in den Fächern Geschichte und Kunstpädagogik erlangt. Seit 2012 ist Claudia Böhme als Gästeführerin für die Regio Augsburg Tourismus sowie für Museen und Ausstellungen tätig. In der Sendung berichtet sie, wie sie Audiodeskriptionen für Filme, für Theater oder für Museums-Ausstellungen erstellt. Sie gibt viele Einblicke in vorhandene oder nicht vorhandene Inklusionsansätze von Kunst- und Kulturangeboten in Augsburg.
Transkript
Mordaufruf auf Wahlplakaten, ja geht das denn? Ja, das geht, wenn sie mit 100 Meter Abstand zu den Gemeinden hängen. Hörwerk! Ja, willkommen beim Hörwerk heute wieder, bei unserem Mittagstalk über Kunst, Kultur, auch in unserer Region rund um Augsburg. Wir, das sind Susanne Thoma, der Chris Peters und ich, die Lina Mann.
Ja, und als heutigen Studiogast haben wir dabei, auch schon hier jetzt vor Ort, Claudia Böhme. Ja, herzlich willkommen, liebe Claudia, schön, dass du da bist. Hallo.
Ja, bei uns geht es ja wieder um Inklusion und Vielfalt. Aber zuerst mal noch eine Auflösung. Ja.
Ich habe gehört davon, liebe Susanne, von diesen Plakaten, aber gesehen habe ich noch keines. Vielleicht weißt du viel mehr drüber. Ja, also ich meine, da steht was Böses drauf, ich möchte das hier gar nicht zitieren, muss ich dir ehrlich sagen.
Also es wird eine Partei angegriffen und zwar die Grünen und von einer anderen Partei von Rechtsextremen in Sachsen und die plakatieren und das ist ein Mordaufruf. Also es ist heftig, es ging vor Gericht und jetzt ist draußen die Entscheidung. Es gibt weiterhin die Möglichkeit, diese Plakate hängen zu lassen.
Und warum? Weil es ja nicht eindeutig oder sagen wir mal so, es wird so interpretiert oder so gewertet. Diese Plakate sind mehrdeutig. Es könnten konkrete gemeint sein, also eben die Grünen, aber es kann auch eigentlich allgemeiner gemeint sein.
Es sind ja keine Personen benannt offensichtlich und deswegen braucht man die nicht abhängen. Also ist ein heftiges Ding, finde ich. Aha.
Ja, und die Grünen haben natürlich Anzeige erstattet und ich meine, es ist in Sachsen, es ist nicht das erste Mal, es gibt eine ganze Reihe von Einschüchterungsversuchen von diesem, der dritte Weg ist das in dem Fall. Und ja, also schon nicht ohne, was da passiert gerade. Ja.
Also wenn du nicht gemeint bist, dann kann ich dich. Ich bin nicht gemeint. Ich bin nicht gemeint.
Und ich erinnere mich da einfach an 2018, eine tolle Aktion, die es ja immer noch gibt, nämlich die Künstler mit Herz, die gegen solche Aktionen ganz klar sich für die Demokratie und für gute Gerechtigkeit eingesetzt haben. Und von einem, der da wirklich im inneren Kreis dabei ist, hören wir jetzt das Lied Mir nett. Das ist nämlich Roland Hefter, Liedermacher, waschechter Münchner in Augsburg.
Sehr bekannt, weil er oft bei SAK dabei war. Sommer am Kiez.
Genau, die Abkürzung. Sommer am Kiez, heuer ja wieder ganz voll dabei auf dem Gaswerkgelände. Und er setzt sich wirklich für ein weltoffenes und demokratisches Bayern ein und hat seit 2020 eine Stimme im Stadtrat in München.
Ich mag ihn sehr, hören wir jetzt Mir nett. Ja, Claudia Böhme, unser Gast heute. Wer ist Claudia Böhme? Wir kennen uns.
Und ich habe mir mal so überlegt, wer ist sie denn für mich? Auf jeden Fall mehr als ein glücklicher Zufall, dass wir uns kennengelernt haben. Sie ist Powerfrau, Frau mit besonderen Fähigkeiten, Expertin in eigener Sache. So wie ich dich kennengelernt habe, immer fröhlich, lösungsorientiert, offen und kompetent.
Ja, stell dich doch mal lieber selber vor, liebe Claudia. Naja, das mit der Powerfrau, das höre ich nicht ganz so gern. Das ist so ein Begriff, den man eigentlich vielen Leuten verpasst, die man eigentlich nicht kennt.
Bloß weil sie gute Musik machen oder so. Ja, was soll ich zu mir sagen? Ich werde 51 Jahre alt nächste Woche, habe drei erwachsene Kinder zwischen 23 und 28 Jahren. Das frühe Kinderkriegen hat bewirkt, dass ich mit Mitte 40 bereits wieder machen durfte und konnte, was ich wollte.
Das war wie noch mal 18 werden oder so, das war toll. Ja, das habe ich bei dir auch als erstes so hingeschrieben. Du bist Mutter, weil du bist auch jetzt noch so toll für deine Kinder da, wenn wir uns auch begegnen.
Ich glaube auch heute im Anschluss musst du gleich mit deinem Sohn los. Ja, ein Auto abholen. Naja, für Kinder ist man denke ich immer da, auch wenn die nicht mehr bei mir wohnen.
Ich denke, wir sitzen nicht aufeinander, aber wir haben einen guten Kontakt miteinander. Ja, was soll ich sagen? Das Muttersein hat mich früh beschäftigt, wie gesagt. Deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, mich um eine Ausbildung zu kümmern.
Ich habe gemerkt, dass es als Mutter zu arbeiten in Bayern sehr unmöglich ist oder sehr unmöglich war Anfang der 90er, weil Kinderbetreuung nicht gegeben war. Also habe ich mir überlegt, dass ich den Weg andersrum machen werde als viele andere. Ich mache also erst das Ding mit der Familie und mit den Kindern und kümmere mich dann um meinen Beruf.
Und habe dann mit Mitte 30 ein Studium angefangen, Geschichte und Literaturwissenschaften. Das habe ich ausgewählt, weil das Fächer waren, die mir nicht schwer gefallen sind in Schulzeiten. Und habe gedacht, na dann geht es auch als Erwachsene.
Weil die Kinder hatte ich ja trotzdem und war inzwischen alleinerziehend, also war alleine für die Familienorganisation zuständig. Das war ein guter Plan, also der hat funktioniert, auch wenn ich länger gebraucht habe. Und dann hatte ich eigentlich genug von Studium 2010.
Oder wurde dann aber besser gesagt von der Dozentin sehr krass in eine weitere Studienrichtung gequatscht, in den Master. Das war auch damals so der Umbruch von Magister zu Master, wo man nicht wusste, was kann man noch mit dem einen und was nützt einem das andere. Und dieser Studiengang Fachdidaktische Vermittlungswissenschaften, die waren so derzeit noch ziemlich auf der Museumsschiene unterwegs.
Also letztendlich Historikerin, Museumspädagogin, dann Kulturvermittlerin, Stadtführerin, was habe ich mir noch aufgeschrieben? Autorin muss noch kommen. Das ist eine lange, lange Liste. Natürlich ist die Inklusion ein großes Thema bei dir.
Weil ich habe ja vorhin auch gesagt, du bist eine Expertin in eigener Sache. Kannst du da vielleicht noch ein bisschen was dazu sagen? Wenn ich da so einsteigen darf, gewollt war das nicht. Mir war es wichtig, ich hatte immer die Vorstellung, dass man auch als Mensch mit einer Sehbehinderung, der ich ja bin, dass es möglich sein muss, in normalen Berufen untersehenden Menschen zu arbeiten.
Ich habe dann doch recht schnell merken müssen, dass das so einfach nicht ist. Deine Arbeit heißt, glaube ich, Inklusion gelingt nicht immer. Das machen wir dann später noch? Ja, naja, gut, und dann kam die Inklusion, sagen wir mal so, auch zu meinem Glück vielleicht.
Und ich habe gemerkt, dass mich das Thema an vielen Facetten einfach interessiert und dass es wichtig ist. Und jetzt bin ich da doch gut drin. Bei uns geht es um Inklusion, um buntes Leben, Diversity.
So erlebe ich dich auch, dass du ein ganz buntes Leben hast. Wo kommst du jetzt heute her? Wie war jetzt der Vormittag heute schon so? Der Vormittag ging los, dass drei Leute hintereinander angerufen haben. Gleichzeitig ab morgens um acht.
Das ist auch eher ungewöhnlich. Ich hatte dann schon eine halbe Stunde gut was zu tun mit dem Autohaus, mit einer Auftraggeberin und nicht zuletzt mit euch. Und daraus ergeben sich dann weitere Sachen.
Ich muss dann ein Angebot schreiben, ich muss einen Kollegen fragen, ob er mir assistieren möchte bei einer Audiodeskription. Ich muss für eine andere Audiodeskription mein Team fragen, ob die können. Audiodeskription, verrat mir jetzt nicht, was das heißt.
Kommen wir nachher drauf. Wir kennen uns ja aus einem ganz tollen Projekt, das wir miteinander auch gemacht haben. Ich glaube, kennengelernt haben wir uns beim Schwabentag, wo man dann gesagt hat, ja, was mache ich, was machst du? Wollen wir nicht gemeinsam was machen? Und dann sind wir mal im Fokker und Welser Museum zusammengeguckt und haben mit den beiden Damen, mit der Kathi Dehner, die ja auch schon hier war als Studiogast, haben wir überlegt, wie kann denn eine Führung für Menschen mit Sehbehinderung im Museum, und da speziell bei uns in Augsburg, im Fokker und Welser Museum, gut gelingen.
Und ich glaube, da sind wir jetzt seit Jahren gut miteinander auf dem Weg. Und dann natürlich noch das Projekt Basilika 3D, miteinander auf den Weg gebracht und auch vollendet, zusammen mit den Studenten der Hochschule. Was erinnerst du dich noch am meisten daran? Dass ich gestern mit meiner Physiotherapeutin darüber gesprochen habe.
Aber das ging von ihr aus, gar nicht mal von mir. Sie wusste das, wir haben auch geredet, was ich so mache, und sie wusste das dann mit Sankt Ulrich und diesen 3D-Sachen. Na ja, gut, dann zieht das ja Kreise, und das nehmen auch Leute davon, Notiz, die vielleicht gar nicht viel mit Kunst und Kirchen und so Sachen zu tun haben.
Muss man vielleicht noch dazu sagen, wir haben Modelle erschaffen aus 3D, zusammen mit blinden Menschen, und den Studenten ist es gelungen, als Studenten der Architektur, sogar Licht sehend zu machen, sichtbar zu machen. Ja, das ist das eine, und da freuen wir uns, wenn die Modelle auch genutzt werden. Audiodeskription, ich sage noch nicht, was es ist, wir hören.
I care for you. Dieser Druck in blau-weiß zeigt drei Perspektiven auf den Teleskop-Gasbehälter. Im oberen Drittel befindet sich ein Foto, das den Gasbehälter von oben zeigt.
Man erkennt die sogenannte Oberglocke, also den Deckel des kreisrunden Behälters, und ein Stahlgerippe, das in die Höhe ragt. Es diente einst als Behältergerüst, wenn der gefüllte Gasbehälter nach oben fuhr. Darunter steht in weißen Großbuchstaben und Braille-Schrift I care for you.
Im mittleren Drittel dominiert die Ansicht des Gasbehälters von vorn. Links auf diesem Bild befindet sich eine Wendeltreppe, die einen Schatten wirft. Dieser Schatten ist engelsgleich und wird als Gasius bezeichnet.
Im unteren Drittel des Bildes ist in sehr feinen Linien, weiß auf blau, ein Teil der Architekturzeichnung der Oberglocke dargestellt. Sie ist kreisförmig und enthält Konstruktionsangaben. Die Gesamtkomposition wird durch schneckenförmige Elemente und spinnennetzähnliche Strukturen ergänzt.
Ja, liebe Claudia, was haben wir jetzt gehört? Wir haben quasi die Beschreibung eines Drucks gehört. Und vielleicht ist dem einen oder anderen aufgefallen, dass da Sachen vorkommen, die man, wenn man sonst so einen Druck beschreibt, nicht sagt. Weil jeder, der es sieht, sagt, sehe ich doch.
Ich muss doch hier nichts von spinnennetzartigen Strukturen schreiben. Ich sehe vielleicht auch engelsgleichen Schatten. Alles erkennbar.
Für blinde Menschen ist das alles nicht erkennbar. Das ist eine Audiodeskription. Das war eine Audiodeskription.
Also von Kunst ein Text, der ein bisschen mehr Informationen enthält als normalerweise. Ich habe mal nachgelesen, was das ganz einfach bedeutet. Eine Stimme beschreibt alles, was zu sehen ist, wenn nicht gesprochen wird.
Das Sehende oder Hörendmachen, was man sehen kann. Das gilt jetzt gut für einen Film, würde ich sagen. Darf ich weiter? Ja, bitte.
Weil Audiodeskription ist, was eigentlich vom Film ausgeht. Oder ausgegangen ist in den 70er Jahren in den USA. Und daraufhin hat man versucht, dieses Prinzip auch auf andere Gebiete anzuwenden.
Bis es nach Deutschland kam. Das war 1993. Ja, habe ich mir heute herausgeschaut.
Sowohl Münchner Filmfest als auch erster Film und erstes Video. Und seitdem versucht man, das zu betreiben. Also war, glaube ich, wenn ich mich recht erinnere, in Sachen Film lange auch sehr mühsam.
Ja, ich habe es mal vorwärtsgekommen. Echt augestaunt. 11.
Oktober 1993. Erste Ausstrahlung im öffentlichen Fernsehen. Die eine unheilige Liebe.
Und da habe ich mir gedacht, kann denn das sein? 89 bei den Filmfestspielen. Kann? Gibt es denn so etwas? Aber ich glaube, das hat ganz viel auch mit Gesetzen und mit UN-Menschenrechtskonventionen und Gleichstellungsgesetz und Rundfunkgebühren, die dann plötzlich nicht mehr frei waren für Menschen mit Sehbehinderung. 2013 kam das ja erst.
Aber du weißt ja viel mehr drüber. Ja, das glaube ich gar nicht. Ich glaube, dass ich mich so erinnere, wie diese Diskussion darum auch Anfang der 90er gewesen ist.
Hatte ich viel Zeit? Habe ich ein Kind gestillt? Und hatte viel Zeit, das auch zu verfolgen und zuzuhören. Und ich weiß gar nicht, wann war das, wenn etwas Neues kam. Das ist quasi immer zelebriert worden und richtig fad aufgenommen.
Das stimmt, Carolin hat es 2013 mit dem Rundfunkstaatsvertrag und mit der Sache, dass man auch als blinder Mensch bitte Rundfunkgebühren zahlen soll. Und das dann gesagt worden ist, ja okay, das machen wir, aber nur dann, wenn wir was davon haben. Also da kam es mehr ins Fernsehen und man muss auch sagen, dass es nicht den ganzen Tag Fernsehen mit Audiodeskription gibt, sondern wesentlich vom frühen Nachmittag bis 22 Uhr.
Das ist immer noch so, oder? Ja, es gab mal einen Song von Ulrich Roski. Ich habe ihn leider nicht gefunden. Der heißt, was machen denn die Blinden in dem Kino? Ja, was machen sie denn da? Einen Film angucken.
Ja, aber wie geht das? Wie schauen die das an? Wie ist die? Die laden sich eine App auf ihr Handy. Okay. Die App heißt Greta.
Und wenn der Film, den man angucken möchte, eine Audiodeskription hat und die verfügbar ist, dann sucht die App diese Beschreibung und der Blinde-Kinogänger kann das über sein Kopfhörer hören. Das tangiert die anderen Besucher in keinster Weise. Du bist ja eine Expertin in Sachen Audiodeskription, in Beschreibung von Filmen.
Wie machst du das? Wie geht das? Ja, das machen wir in der Regel im Team. Oder fangen wir so an, es gibt verschiedene Arbeitsmodelle. Es geht nicht alles gleich, je nachdem, wer der Auftraggeber ist und wie viele Leute sich dafür einbinden und beschäftigen wollen.
Der Bayerische Rundfunk beschäftigt zum Beispiel drei Leute pro Film. Nicht immer, aber oft. Diese drei Leute sind dann zwei sehende Kollegen und eine blinde Person.
Wir gucken uns den Film an. Gewisse Sachen werden dann gleich mitnotiert von den sehenden Kollegen. Es gibt zum Beispiel Vorgaben, wann sage ich den Namen zum ersten Mal, was sage ich sonst, wenn ich den Namen nicht weiß.
Man guckt dann auch schon danach, wo kann ich eine Beschreibung von der Person einfügen. Weil Handlung ist immer das, was zuerst im Vorrang hat. Dann nehmen wir uns den Film Sequenz für Sequenz vor und machen einen Text.
Und wenn er nicht passt, dann müssen wir so lange drehen, bis er passt. Also eventuell was wegnehmen, andere Wörter finden. Die selben Worte sollen wir auch immer nicht benutzen.
Sondern wenn es geht, wirklich eine Vielfalt und das ist schwierig. Bei Filmen wird viel geguckt. Also ich stelle mir das schwierig vor, dass man Gefühle, Stimmungen, dass man das so beschreiben kann.
Und ich kann mir vorstellen, das Team, da darf doch kein Blatt Papier dazwischen passen. Da muss man 2 zu 1 Entscheidungen treffen. Und der Einzelne muss damit leben und zufrieden sein.
Also ich habe wieder ein bisschen nachgeforscht und nachrecherchiert und nachgelesen und war dann auch ganz erstaunt, dass am Anfang man eben nicht in diese Richtung ging, dass man das alles beschreibt, die Farben, die Gefühle oder das, was man eben sieht, dann hörend macht. Sondern dass man am Anfang die Filme für die blinden Menschen interpretiert hat. Da war ich natürlich als eine, die sich für die Inklusion und die Teilhabe und die Selbstbestimmtheit und Eigenständigkeit schon sehr entsetzt.
Also am Anfang war das tatsächlich so ein Weg. Ich bin ja erst seit 2013 dabei. Und wir haben ganz klare Vorgaben, dass wir das nicht machen sollen und dürfen.
So ist ja auch richtig. Hin und wieder rutscht einem Kollegen doch was durch. Je nachdem, wer die Firma ist und was sie für Maßstäbe aufstellen, wie das gemacht werden soll.
Ich schätze das überhaupt nicht, weil das einfach eine Bevormundung ist. Sehr gut. Ich bin da ziemlich krass auf der Seite der Nicht-Interpretierenden.
Wir hören jetzt einen Song von Lydia Daher. Irgendwann, irgendwo, irgendwas. Sie lebt als freie Autorin und Musikerin in Berlin.
Renidad. So heißt der Song von der Hochzeitskapelle. Fünf Musiker, die sich so auf ihrer Homepage auf einer Hochzeit gefunden haben.
Und sie beschreiben ihre Musik selber als folkloristisch-illegischer Rampages. Ja, liebe Claudia, jetzt haben wir viel über Film, Kino, Audiodeskription geredet. Und da bist du ja tatsächlich eine Expertin.
Du hast 2016 zusammen mit deiner Kollegin Carola Schweinberg den deutschen Hörfilmpreis für Kino. Sag mir, wenn ich was Falsches sage. Für die Kategorie Kino bekommen, für den Film 45 Years.
Das ist richtig. Ja, Film ist die eine Sache, finde ich. Aber Audiodeskription live im Theater die andere.
Und das durfte ich selber miterleben. Ich sehe dich noch sitzen zusammen mit deiner Kollegin auf der Freilichtbühne im Juli 2019 an einem wunderbaren Sommerabend bei Jesus Christ Superstar. Erste Audiodeskription am Staatstheater Augsburg.
Das war ein wunderbarer Abend. Vielleicht kannst du selber einfach nochmal so die Eindrücke und wie das gegangen ist, das auch ein bisschen schildern. Ich kann gleich dazu sagen, der David Ortmann, der Hausregisseur des Staatstheaters, hat mir vorhin noch eine Facebook-Nachricht zukommen lassen, sehr nett, sehr schön, und hat gesagt, Sie können sagen, es sind zwei weitere Aufführungen bei Herz aus Gold auf der Freilichtbühne geplant und zwei bei den Physikern.
Also so viel kann man jetzt schon sagen in die Zukunft. Aber jetzt lass uns doch noch ein bisschen in der Vergangenheit schwelgen. Das Schwelgen gilt für 2019.
Genau, weil das war so toll. Das hatte einen Vorlauf von ungefähr vier Jahren. Das muss man vielleicht auch wissen.
Als ich angefangen habe, das Theater dahingehend zu bearbeiten, waren die überhaupt nicht offen dafür. Sie sagten, wir bauen um. Das kommt jetzt überhaupt nicht in Frage.
Das sind dann Sachen, die ich nicht verstehe und denke, warum schiebt ihr den Umbau vor und sagt, das kommt nicht in Frage? Ein gewöhnliches Publikum kann ja auch hingehen auf Ersatzbühnen und kann sich was anschauen. Warum wird dann die Idee von Audiodeskription weggeschoben? Du hast es nicht locker gelassen. Ich denke, Gott sei Dank, was uns geholfen hat, war, dass das Team gewechselt hat.
2017. Und denen mussten wir nicht erklären, was wir wollen. Wir mussten nicht erklären, warum wir das wollen.
Wir mussten eigentlich gar nichts erklären, nur sagen, wir wollen das und wir haben gedacht, okay. Das war ganz wichtig, dieser Teamwechsel. Und dass wir uns darauf verständigt haben, wie viele Vorstellungen wollen wir anbieten in der Spielzeit und halten wir das durch.
Oder wir halten das bitte durch. Der David Ottmann hat mir geschrieben, wir haben die entsprechende Tonübertragungstechnik jetzt auch gekauft. Wunderbar.
Das hört sich total gut an. Ja, das hört sich ganz toll an. Was die Freilichtbühnenaufführung von 2019 betraf, wir hatten auch bei beiden Aufführungen Publikum.
Und ich fand, das war eigentlich auch mehr, als ich erwartet hätte. Ich bin nämlich sehr vorsichtig im Kalkulieren und sage das auch den Theatern oder so anderen Auftraggebern, sie sollen nicht glauben, dass da 50 oder 100 blinde Menschen kommen. Das wird nicht eintreten.
Aber was hatten wir, 15 oder 20 oder 25? Ich glaube schon, doch. Und das hatten wir bei der Nachfolgesache bei der Lustigen Witwe auch zweimal im Theater im Winter, im Januar, wo man sagt, da geht der blinde Mensch gar nicht raus, weil es dunkel ist. Und das war auch überwältigend.
Und ich werde auch regelmäßig gefragt, wann es weitergeht. Ja, ich auch. Und wann es wieder was geben wird.
Und das freut mich, weil Theater doch auch was Schönes ist. Der ganze Abend hat ja schon früher angefangen als die Aufführung. Ich durfte ja Fotos machen fürs Theater.
Da hat jetzt der David Ortmann eben auch nochmal geschrieben, dass er sich so sehr an diese Führung, an die Tastführung erinnert. Ja, das ist immer ein Programm, was damit läuft. Das ist nicht damit getan, dass sich die Leute auf ihre Plätze setzen, die Kopfhörer nehmen und dann ist es das.
Wir wollen auch versuchen, vorher die Bühne begreifbar zu machen, wenn es geht, mit einem Modell. Bei der Freilichtbühne hatten wir eins. Also Modelle, glaube ich, fallen im Theater immer an.
Und wenn wir Modelle nicht haben von der Bühne, dann hatten wir jetzt bei der Lustigen Witwe im Januar 2020, war das, die Möglichkeit der Bühnenbegehung und die Möglichkeit, Requisiten in die Hand zu geben. Ja, damals durften ja auch tolle Stoffe anfassen. Ja, also Stoffe und Köpfe, Klamotten.
Das ist toll. Und bei der Freilichtbühne, um noch mal zurückzugehen, da hatten wir wenigstens auch, wenn kein Kostüm, dann doch Stoffe, die damals sehr, sehr wichtig waren. Oder so ein Hauptding auch von der Aufführung.
Also das Kostüm war da auch immens wichtig. Unsere Hörer, die interessiert ja wahrscheinlich jetzt auch noch, oder ich finde, wenn man noch nie dabei gewesen ist, erzählt doch mal, wo war es gekocht und wie ging es dann los und wie macht man das? Ihr habt ja nicht live jetzt alles gemacht. Es war eine Live-Übertragung, aber nicht live gestaltet.
Oder kann man so sagen? Ja, kann man so sagen. Ich weiß, bei einem Theater habe ich mal gelesen, dass es tatsächlich ohne Skript gemacht wird. Da denke ich, da befindet sich ja die Person, die einspricht im freien Fall.
Ich stelle es trotzdem schwierig vor. Es ist trotzdem schwierig. Wir haben ein Skript gemacht, was erstmal mit der Einleitung anfängt.
Wir sagen auch den Leuten, setzt euch 10 Minuten früher hin. Wir beschreiben euch erstmal das Ambiente. Also erstmal die Freilichtbühne als solches.
Und dann sagen wir ein paar Worte zum Stück. Dann geht das los, das Stück. Und die Person, die einliest, die muss mit einem Auge auf der Bühne sein, mit einem anderen Auge auf dem Skript.
Mein Schauspieler kann machen, was sie wollen. Es ist trotzdem ein halbwegs freier Fall. Man kann nach einer Vorlage, also nach einem Video schon was machen.
Aber ob das dann tatsächlich an dem Abend auch so ist, das wissen wir nicht. Aber es ist gut gegangen. Ich fand es klasse.
Auch für mich als Sehende. Ich glaube, ich habe es nochmal ganz anders erlebt. Auch den Abend viel intensiver, viel mehr mit im Geschehen.
Sie erinnern mich einfach an einen wunderbaren Abend. Ja, ich auch. Ich habe mir das Stück ja öfter gesehen.
Wir kommen ja dann auch rein und probieren das erstmal, bevor überhaupt Leute da sind. Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Jesus Christ gesehen habe. Ich höre es immer noch.
Ich ziehe mir YouTube und höre es mir immer noch gern an. Und das ist mir, also das Stück oder die Musik war es vielleicht auch, ist mir auch Wochen danach noch im Kopf gewesen. Es war schwierig, da so einen Schluss zu finden.
Du hast jetzt gesagt, viele fragen, wann geht es denn weiter? Wie geht es denn weiter? Es geht weiter mit den Physikern. Die haben wir auch schon gemacht. Die liegen quasi auf Halde.
Ja, weil wir Zeit hatten im Lockdown. Das machen wir mal. Dann sind wir auch flexibel, wann das startet.
Es wird alles 2022 starten, was wir vorhaben. Ja, Physiker und Herz aus Gold. Toll, also viel Erfolg da weiterhin.
Und hat ja eine gute Wende im Staatstheater genommen. Ja. Jetzt geht es weiter mit einem kleinen Ausschnitt aus einer Audiodeskription.
Es ist ein Trailer, den wir alle kennen. Ratet es doch mal. Das Augenpaar eines Mannes.
Er sieht nach links, nach rechts gerade aus. Um sein rechtes Auge schließt sich ein Fadenkreuz. Das Fadenkreuz reißt auf die verschwommene Silhouette eines Mannes.
Er hält sich die Hände schützend vors Gesicht. Rennende Beine auf nassem Asphalt. Weiße Linien formieren sich seinem Fingerabdruck.
Tatort. Schwarzer Peter. All that matters.
Von Eva Klein. Klassische Singer-Songwriter-Kunst. Umgesetzt in handgemachter, minimalistisch arrangierter Musik.
Und purem, analogen Sound. Ja, Tatort. Tatort kennen wir alle.