In der Sendung erfahrt ihr ne Menge über das Jugendzentrum h2o in Oberhausen. Sienna (17) und Asen (13) geben Auskunft, was das Haus so zu bieten hat und wie sie sich engagieren.
Die Sendung wurde moderiert von Susanne Thoma. Das Projekt „Jugendradio im Gaswerkquartier“ wird gefördert durch „Bildungschancen“.

Transkript
Ja, hallo liebe Menschen draußen bei schönem Wetter in Augsburg und überall von wo ihr uns zuhört. Ich bin Susanne Thoma, ich begleite euch durch die heutige Sendung wieder. Heute ist was Besonderes, wir haben eine Premiere und zwar haben wir heute das erste Mal, dass wir unser Jugendradio stattfinden lassen.
Was heißt das Jugendradio? Ich habe mir tolle Gäste eingeladen, junge Leute und zwar ist das einmal Senna und das ist auch Arsene, die zweite und die werden wir nachher gleich interviewen und ganz viel über sie erfahren, wer sie sind und woher sie kommen.
Das ist ein Jugendhaus in Oberhausen und das H2O steht halt für die damalige Straße, die es jetzt nicht mehr ist, weil das alte Jugendhaus stand halt dort, wo jetzt die neue Turnhalle von der Werner-Eck-Schule ist. Und jetzt ist es jetzt in einer anderen Straße, aber jetzt heißt es immer noch, der Name bleibt gleich. Also das war die Hirblinger Straße 2 in Oberhausen, deswegen H2O.
Aber das ist die Formel für Wasser.
Wusstest du noch gar nicht?
Doch.
Schon geil.
Also Sienna, du bist 17? Und gehst du noch zur Schule?
Also ich habe die Schule letztes Jahr beendet, also ich habe meine Mittelreife gehabt, also gemacht und auch erfolgreich geschafft. Ich habe eine Ausbildung als Krankenschwester angefangen, aber es war jetzt sowas für mich. Deswegen habe ich mich entschieden, ab September mein Abitur nachzuholen und mein Abi zu machen.
Auf dem Bayern-Kolleg oder wo holt man das nach?
Auf der FOS.
So, H2O. Jetzt haben wir ja noch den zweiten Gast hier. Arsen, du bist wie alt? Ich bin 13 Jahre alt und ich komme aus Bulgarien.
Aber jetzt bist du ja schon eine ganze Weile hier und ich weiß, dass du superdeutsch sprichst, also gar kein Problem mehr. Das würde man dir nicht anmerken, dass du erst ein paar Jahre in Deutschland bist. Du gehst auch immer ins H2O?
Ja, täglich.
Und was machst du da so? Was gibt es da so Schickes? Was kann man da machen?
Naja, ich spiele gerne Computerspiele. In meinem Lieblingsraum, Computerraum.
Naja, aber das kann man doch zuhause auch machen.
Naja, aber zuhause macht das nicht so Spaß wie in Jutze.
Ja, weil da andere sind, oder? J
a, da kommen mehrere Menschen aus anderen Ländern, aus anderen Bereichen von Oberhausen, die ich nicht kenne. Und so werden wir Freunde.
Und also was ist denn jetzt eigentlich so ein Jugendhaus so richtig? Was macht das aus? Was gehört da dazu, zu so einem Jugendhaus? Gibt es da einfach ein Haus, wo man reingeht?
Nö. Also, ne, da kann man verschiedene Angebote machen, zum Beispiel wie kochen. Also, ich liebe kochen.
Da kann man auch, also zum Beispiel letzte Woche gab es so einen Ferienspaß, Ferienprogrammspaß für kleine Kinder ab sechs Jahre alt, die nicht noch in Jutze reinkommen dürfen, weil die noch zu jung sind.
Aber in den Ferien dürfen sie, als Ausnahme, oder?Und ab wann darf man in Jutze normal?
Also, man darf eigentlich, wenn man zehn ist, und wenn man in diesem Jahr elf wird, dann darf man rein.
Und da gibt es ja so ein bestimmtes Projekt, das ihr macht.
So ein Kochprojekt.
Was wird da gemacht?
Also, da wird gekocht, für andere Leute auch, oder?
Ja, es gibt immer jeden Freitag ein offenes Esstisch von Oberhausen für Oberhausen.
Und da koche ich und meinen zweiten Kochchef Patrick, der mit ihm immer kocht. Und da kommen sehr viele Menschen. Und für den Erwachsenen ist zwei Euro und für die Kinder, also für die Jugendlichen, ein Euro.
Und Patrick ist einer von den Betreuern auch, oder?
Ja, einer von den Mitarbeitern.
Also, jetzt müssen wir mal noch ein Geheimnis lüften. Es sind ja heute drei Gäste, weil nämlich Britta, auch Betreuerin in Jutze, Oberhausen, H2O, ist auch da. Hallo, Britta, kannst du von hinten mal kurz rufen? Sie hat euch heute begleitet.
Wieso kannst du kochen?
Wieso ich kochen kann? Naja, früher wollte ich also Koch werden, aber jetzt nicht mehr, weil ich immer mit meiner Mama sehr viel gekocht habe. Also, immer wenn sie kocht, dann bin ich dabei. Und was ist dein Lieblingsessen? Mein Lieblingsessen ist Chili con Carne.
Und was kommt da rein?
Naja, da kommt Bohnen, da kommt Mais, also Tomatensoße. Wenn man mit Fleisch will, dann mit Hackfleisch. Aber wir haben es einmal mit vegetarischem Hackfleisch gemacht und einmal ohne Hackfleisch, also einmal vegetarisch.
Na, ich habe gehört, bei eurem Mittagstisch.
Ja, unser Mittagstisch ist immer vegetarisch, weil es gibt Leute ja, die nicht Fleisch essen, also Vegetarier. Und deswegen machen wir, damit wir alle zusammen essen können.
Gute Sache. Ja. Freust du dich schon auf Freitag, wenn es wieder Essen gibt?
Ja.
Sienna, noch mal zu dir. Du bist Jugendsprecherin, habe ich gehört. Und Jugendsprecherin ist etwas ganz Besonderes. Du bist gewählt worden von anderen Jugendlichen, die so ins Jugendfreizeitheim kommen. Wie war das für dich?
Das war kurz, als mir das passiert, oder, die Wahl? Letztes Jahr im Oktober war die Wahl. Es war sehr besonders für mich. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Also, ich war überwältigt eigentlich, dass ich so eine große Aufgabe im Namen von so vielen verschiedenen Jugendlichen übernehmen durfte. Natürlich ist es eine große Verantwortlichkeit.
Das kann man jetzt nicht abschütteln. Wir waren zum Beispiel auch im November letztes Jahres im Rathaus, war auch bei der Vollversammlung. Also, die Vollversammlung ist halt, wo alle verschiedene Branchen oder Abzweigungen vom Stadtjugendring dabei sind.
Der Geschäftsführer ist dabei. Da werden die neuen Projekte für die kommenden Jahre besprochen. Und ja, die verschiedensten Jugendhäusern waren halt bei dieser Veranstaltung dabei, wurden eingeladen, um zum Wählen zu kommen für die verschiedensten Kandidaten. Ich glaube, mit mir waren es acht andere Kandidaten und ich als einzige Mädchenkandidatin, die halt gewählt worden durften. Und ich und mein Kollege Marcel wurden halt gewählt. Es gibt verschiedene Projekte, die wir halt dadurch versuchen zu starten.
Genau, wollte ich mal fragen. Wofür setzt du dich ein?
Für mich ist das Wichtigste, glaube ich, die Stimme von den Jugendlichen zu vertreten, weil es wird meistens auch sehr unterm Tisch gekehrt, was wir eigentlich möchten für uns. Es werden so viele Erwachsene bestimmen, für uns Jugendliche, was wir sein wollen.
In der Corona-Zeit war auch vor allem?
Corona-Zeit war für uns alle ein bisschen, glaube ich, eine schwerere Zeit, weil wir hatten unsere soziale Umgebung, unser Sozialsein wurde uns entnommen. Ich bin ein sehr sozialer Mensch, also für mich war das eine reine Katastrophe. Aber wir hatten auch Gott sei Dank noch das Jugendhaus, was mit Online-Projekten hinter uns stand oder halt kurze Aufgaben über TikTok haben, die uns Bastelanleitungen geben, was wir zu Hause basteln können und so, damit uns nicht langweilig wird. Weil durch Langeweile steht sowas nicht.
Wofür setzt du dich ein als Jugendsprecherin?
Zurzeit war ich sehr dafür eingesetzt, dass in Oberhausen, was sich verändert, zum Beispiel, dass wir überdachte Sitzplätze kriegen oder die neuen Basketballkörbe. Das habe ich auch in der Versammlung im Rathaus angesprochen, wo auch die Bürgermeisterin da war.
Da wurdet ihr eingeladen von Frau Weber?
Ja, da wurden wir von der Bürgermeisterin Frau Weber eingeladen und durften halt unsere Sachen und unsere Ideen da widerspiegeln.
Finde ich toll, so ein Engagement. Gefällt mir.
So, und ihr habt uns ja auch Musik mitgebracht oder ausgewählt, die wir hier spielen sollen. Und zwar soll das erste Stück jetzt sein, Supernova. Kannst du was dazu sagen? Was ist das für ein Lied?
Also, das ist so mein Herzenslied, das habe ich ausgesucht, weil es geht darum, die Sängerin, Badmómzjay, redet darüber, wie sie halt ohne ihr Vater groß geworden ist und halt, wie sie jetzt wie ein Supernova scheint. Für mich, als ich erwachsen geworden bin, ohne eine Vaterrolle zu haben, war es sehr schwer, aber ich habe es irgendwie hinbekommen mit meiner Mama, die ich über alles liebe. Und ja, deswegen ist das Lied für mich so was. Jetzt spielen wir es mal, Supernova.
Wie heißt die Sängerin? Badmómzjay.
Ihr müsstet ja mal hier sehen, was hier abgeht, wenn die Musik läuft. Ihr habt gedanzt.
Das Stück heißt Shake. Das hast du ausgesucht. Warum gefällt dir das?
Wegen meinem besten Freund Abdi. Und wenn da die Musik läuft, dann fangt der auch immer an zu tanzen.
Ja, also beide tanzen ja gerne. Du, was ich dich fragen wollte, also im Juze, im H2O, da gibt es ja noch mehr Möglichkeiten, was man alles machen kann. Was machst du denn sonst noch? Also gibt es da Sportmöglichkeiten oder?
Also jeden Dienstag gibt es zum Beispiel von 14 Uhr bis 18 Uhr ist Juze offen und dann gehen wir von 18 Uhr bis 20 Uhr in die Sporthalle von der Werner-Eck-Schule und da machen wir gerne Sport. Also zum Beispiel Fußball, manchmal Basketball, Federball und alles mögliche.
Und was gibt es noch? Machst du was mit Schularbeiten?
Es gibt zum Beispiel in Juze bei den Hausaufgaben, die helfen sehr gerne. Also egal was für Hausaufgaben, die helfen immer mit.
Und dann habe ich gehört, dass du auch ein begeisterter Billardspieler bist.
Ja, also ich habe zweiten Platz gewonnen. Der erste hat der andere gewonnen.
Habt ihr ein Turnier gemacht?
Ja, wir haben ein Turnier gemacht und der dritte hat Abdi, also mein bester Freund. Da haben wir auch ein Foto gemacht.
Was gefällt dir am Billard so?
Also wenn die Kugel dann so reinfällt, ist das ein tolles Gefühl? Ich liebe das. Ja, also wenn du das spielst, dann bekommst du das Gefühl, dass du glücklich wirst. Ich habe es gelingt. Aber es wäre noch ein Turnier gewesen, nach ein paar Monaten vielleicht.
Ja, zu dir nochmal. Was machst du sonst noch? Ich habe gehört, du bist auch so stark beteiligt gewesen an Filmen, Filme herstellen, also Drehen, Drehbuch und so.
Also bei uns im Jugendhaus gibt es natürlich viele Projekte, die wir auch starten. Auch alles mit Britta im Rücken, die uns hilft und uns da durchbekommt mit unseren ganzen verrückten Ideen, die wir manchmal haben. Und wir haben sehr viele Filme jetzt gemacht. Ich selber war bei sechs oder fünf dabei und allgemein haben wir, glaube ich, neun Filme insgesamt gemacht. Die kann man eigentlich im YouTube auch anschauen, also auf der Stadtjugendring-Seite. Die meisten gingen halt um Demokratie, Ausgrenzung, verschiedene. Es gab die verschiedensten Themen, aber es hat natürlich immer irgendwie einen größeren Hintergedanken gehabt. Und da haben wir uns auch sehr engagiert alle zusammengesetzt, um dieses Drehbuch zu verfassen zusammen. Wir haben einen professionellen Filmemacher, der uns geholfen hat, diese Filmchen oder die Filme zu drehen, die wir gemacht haben. Und da sind wir auch sehr dankbar, dass er so viel mit uns gemacht hat und uns immer gezeigt hat, was wir besser finden, was wir machen können. Es wurde uns sehr viel Verantwortung in die Hand gelegt, wie wir das alles gestalten möchten. Also ihr beide, ich finde das ganz beeindruckend, ihr seid ja beide ganz oft im YouTube und engagiert euch und helft mit.
Und wo es was anzupacken gibt, macht ihr dann mit. Und da gibt es dann ein bestimmtes System, das heißt Nordpass, und da könnt ihr Punkte sammeln, oder? Das ist eine tolle Sache, finde ich.
Also unser Nordpass-System ist richtig cool und es tut uns alle Jugendlichen auch motivieren, mitzumachen. Also das Nordpass-System ist halt so aufgebaut, dass es bei verschiedenen Punktbeständen verschiedene Nordpässe gibt. Also das erste ist White Card, da brauchst du fünf Punkte, um diese Karte zu erreichen. Mit der Karte kannst du zum Beispiel als Pfand einlösen, weil zum Beispiel, wenn wir in die verschiedenen Räume oder verschiedene Sachen ausleihen möchten, müssen wir zum Beispiel Pfand abgeben, damit wenn wir wieder zurück, nachdem wir uns eingetragen haben und alles zurückbekommen, dass wir halt darauf aufgepasst haben und alles. Und da kannst du die Karte zum Beispiel als Pfand abgeben. Dann gibt es halt ab verschiedenen Stufen verschiedene Rabatte oder verschiedene Angebote, die du machen kannst. Ab Orange Card zum Beispiel, wie sie gerade gesagt haben, kriegt man zum Beispiel ein Eis in der Woche und ein T-Shirt mit dem Logo drauf gedruckt. Bei Red Card zum Beispiel, da wo ich gerade bin, mit meinen Punkten stand, bekommst du ein Hoodie und verschiedene Angebote zum Beispiel, dass du weniger bei Ausflügen oder bei Freizeiten zahlen musst. Wann kriegt man denn einen Punkt? Also einen Punkt kriegt man, wenn man zum Beispiel eine Stunde in Jutze hilft, zum Beispiel einkaufen gehen, putzen oder zum Beispiel bei dem Esstisch helfen, damit man die Teller und den Gabel zum Beispiel aufräumt, die Tische zusammen macht. Einkaufen gehen, das machst du ja auch ganz selbstständig, ne? Ja, also einer von den Mitarbeitern schreibt dir zum Beispiel einen Zettel für die Sachen, die du kaufen musst, gibt dir Geld und Geldbeutel und eine Einkaufstasche.
Und Nordpass heißt, weil jetzt hier H2O, das ist ja alles im Norden von Augsburg dabei ist, ich habe es mal gelesen auf der Stadtjugendringseite, Oase gehört dazu, das ist ja die Freizeitsportanlage da an der Wolfgangstraße, dann auch der Internettreff Netage, heißt man das so, Netage, also das ist ja an der Dreiraumschule, die gehören alle dazu, die Nordpass dazu, oder? Ja, gute Sache. Das Engagement, also bei dir Sienna, vor allem hört man das ja raus, so, und auch von deiner Musik her. Als nächstes hast du ja dieses Lied Fair ausgesucht, von Nura.
Also Nura habe ich das erste Mal, als sie noch in der Band Sixten war, hier im Modular bei uns in Augsburg gesehen, also beim Hotelturm. Und ich fand ihre Message einfach hinter diesem Lied sehr stark und wie es halt aufgebaut ist. Normalerweise kennt man das von Nura, dass sie mit sehr vielen Beats und sehr viel Tralala-Sachen performt, aber ich glaube in dieser Version hat sie eine klassische Version geliefert, also da redet sie über das Thema, wie es ist, ein Ausländer in Deutschland zu sein mit einem nichtdeutschen Nachnamen, wie das ist, dass so viele Leute für Fridays for Future auf die Straßen gehen, Sachen ansprechen und wir trotzdem immer noch das machen, was die Gesellschaft oder halt das System von uns möchte. Genau, das ist eine Klassikversion und da wird begleitet, Robert Schumann Philharmonie, und zwar gab es da so ein Projekt, das hieß Maquia Valley Sessions und das haben die deswegen umgesetzt, genau um eben gegen Rassismus sich zu wenden. Ja, und es geht um politische Songs und das hören wir uns jetzt mal an.
Ich bin ja mal gespannt, das singt ja deutsch, dann auch, oder? Genau, also hören wir es uns an. So, Angel Sippen, au weia, muss ich mal erstmal ordentlich nachrecherchieren, um nicht zu sagen, ich habe gegoogelt, und zwar was es überhaupt heißt, Angel.
Angel ist doch als Freundin oder Frau gemeint, oder? Ja, als Engel. Angel, ein positiver Begriff für eine Frau. Und wenn er sagt Sippen, stimmt es, dass das dann, eigentlich heißt es trinken oder schlürfen, aber man kann auch dazu sagen, sich verabreden, oder? Ja, also in diesem Zusammenhang würde ich glaube ich darauf behaupten, dass es halt trinken heißt, aber ja, das ist von Simba, ein Künstler, der dieses Jahr auch aufs Modular kommt, wie angekündigt.
Und ja, das Lied ist sehr lange durch die Charts gestiegen und ich fand, es hat einfach dazu gepasst heute.
Aber es sind ja schon ein paar Wörter in diesem Text enthalten, da müssen wir nochmal ein bisschen drüber reden, finde ich. Weil, also, im Hip-Hop, beziehungsweise im Rap, dem wird ja oft vorgeworfen, ja, das ist irgendwie beleidigend, ist noch milde ausgedrückt, oder auch manchmal rassistisch, oder auf jeden Fall Begriffe, da muss man ein bisschen drüber reden, wie die vielleicht auch gemeint sind zum Teil.
Weil, na, also was vielleicht auch eindeutig ist, es gibt eine Textzeile, der Bulle weint, weil Arby, also irgendeine Person, weiß ich nicht, wer das ist, wieder Zwanis raucht.
Aha, Zwanis rauchen, habe ich auch geguckt, was das ist, weißt du, was das ist?
Ja, das bezieht sich, glaube ich, eher auf den Marihuana-Konsum. Und natürlich, wir wissen, dass Drogen nicht gut sind, also alle, die das zuhören, wir wissen, dass es nicht gut ist und so, aber halt im Rap und halt im R’n’B, ich bin damit groß geworden, meine Mutter hat R’n’B gehört, meine Mutter hat Rap gehört, so Tupac-Zeit, 50 Cent und alles, und man wächst damit auf, und vor allem in der schwarzen Community in Amerika oder auch zum Beispiel in England, ist es halt auch sehr vertreten einfach.
Und natürlich, auch wenn es halt vertreten ist, man will halt über dieses Lifestyle rappen, was in der Zeit passiert ist. Zum Beispiel Simba, der persönlich kommt ja aus Berlin, Berlin ist natürlich im Vergleich zu Augsburg eine riesige Stadt, könnte man gleich so sagen, dass es halt ein komplettes Gegenteil ist, wo natürlich auch die Kriminalität ja bestimmt höher ist als bei uns hier unten in unserem schönen Bayern in Augsburg. Deswegen, ich beziehe mich halt auf das Lied, ich mag die Musik von dem Künstler, ich mag den Künstler auch an sich, aber natürlich unterstütze ich nicht jede Teile, die er rappt, weil an sich in dem realen Leben, wo ich jetzt bin, bringt es mir nicht viel.
Wir haben ja gestern Musik gesucht, wir haben überlegt, ihr habt ja verschiedene Vorschläge gemacht, du auch Arsene, und dann saßen wir im Computerraum und haben verschiedene Stücke durchgehört, und ganz oft kam immer wieder dieser Bitch, Bitch, Bitch Begriff, also Bitch kenne ich, weil ich habe ja mal Englisch gelernt, da ist es nicht so ein schönes Wort,
aber wie seht ihr das, wie wird Bitch heutzutage benutzt?
Naja, Bitch wird so als Beleidigung benutzt, also wenn du normal redest, es gibt auch Mädels und Jungs, die sich selber beleidigen, zum Beispiel. Selber als Bitch sich beleidigen? Also Bitchmove habe ich auch rausgefunden, dass man das auch sagt, wenn jemand unfair ist und ein unfaires Verhalten, du hast zwar jetzt aber einen Bitchmove. Ja.
Finde ich interessant, die Abwandlung.
Das wird oft so bezeichnet oder benannt, aber es gibt zum Beispiel KünstlerInnen oder halt Leute, vor allem weibliche KünstlerInnen, wie von Shirin David bis zu Bad Mom Stay, so größere KünstlerInnen, die das auch als Woman Empowerment nehmen und es halt umdrehen und sagen, okay, ich bin jetzt eine Bitch, aber ich nenne mich so, du nennst mich nicht so. Und das ist halt, glaube ich, im Feminismus so eine große Rolle, dass man es halt so an sich gerissen hat.
Ja, das finde ich schon interessant, weil, also ich selber bin ja auch mit dem Feminismus groß geworden und habe lange in Berlin gelebt und es gab dann eine Genossenschaft von Frauen, die gegründet wurde, also eine wirtschaftliche Vereinigung sozusagen, um ein Haus zu kaufen, also um Gewerbeflächen für Frauen, die sich Existenzgründungen machen wollen, die Firmen gründen wollen. Und da haben wir gesagt, wir gründen ein Haus und dafür haben wir Geld gesammelt, eine Genossenschaft gegründet und so weiter und es war ein feministisches Projekt und das Projekt wurde Weiberwirtschaft genannt, gibt es heute noch und Weiber war ja früher auch, also das war was Negatives, da haben die Leute gesagt, na die Weiber, wenn man über sie schlecht reden wollte und wir haben es auch umgedreht und haben gesagt, Weiber, wir sind ja selbstbewusst, wir sind die Weiber und wir machen da was draus. Ja, aber gut mal, das kann man schon so interpretieren, aber es gibt so einen Begriff, wo ich gar nicht mit klarkomme, wenn er zum Beispiel jetzt hier singt, meine helle Hansen kann ich dir nicht geben, nigger, ich spiel Monopoly mit deinem Leben, nigger.
Also, ist schon ein schwieriger Begriff, oder? Nigger, also wir wissen ja, dass es eine Ableitung von Negro, von Neger ist und das wurde ja wirklich von Sklavenhändlern auch zur Unterdrückung von Menschen mit schwarzer Hautfarbe benutzt, von ihren Sklaven und naja, und das wird auch bis heute in die Zeit hinein, kann man das so freundschaftlich benutzen? Weil sie sagen ja, die Rapper, dass es ein freundschaftlicher Ausdruck ist. Also ich, als dunkelhäutige Person, also Person mit Migrationshintergrund in dem afrikanischen Bereich, bin davon überzeugt, dass es genau dasselbe ist wie beim Feminismus, dass die das Wort an sich reißen und was Positives daraus machen und sagen, wir nennen uns so, aber ich bin kein Fan davon, wenn andere uns so nennen, weil ich mir denke, das ist unser Wort, das gehört uns. Das hab ich mir auch gedacht.
Er ist ja auch ein afrikanischer Künstler, also der ist auch afrodeutsch, glaube ich sogar, und wenn ich das an mich reiße, das Wort und das Wort ausspreche und halt auch davon unterstütze, auch in Musik, bin ich aber auch kein Fan davon, wenn zum Beispiel andere Leute aus anderen Kulturen es nachsingen, weil das Wort gehört der Volksgruppe, es gehört den Personen, die damit sich identifizieren können und auch halt der Unterdrückung ist. Meine Familie ursprünglich kommt auch aus den Sklavereizeiten, wir sind aus der Karibik, wo wir auch als Sklaven dahingetransportiert wurden, das weiß ich, weil ich meine Historik halt alles recherchiert habe, und ich bin kein Fan davon, ich finde es auch nicht so gut, dass es in den ganzen Liedern drin ist, weil dann haben Leute zu viel Confidence, das heißt zu viel Mut, das mitzusingen. Das wird auch eine Verharmlosung.
Da haben sie auch recht, aber ich finde auch gut, dass wir es einmal umdrehen und es den Leuten zeigen, dass wir das nicht mit uns mehr machen lassen. Gut, kennst du noch Wörter, so Hip-Hop-Shargau, Rap-Shargau, Jugendsprache, die dir gut gefallen oder die du oft benutzen musstest? Zum Beispiel Digga. Digga heißt? Digga heißt die Junge.
Digga. Digga sagt man zum Beispiel wie Junge. Wenn ich zum Beispiel zu einem Jungen Digga sage, er denkt sich, er sagt mir gerade Junge.
Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ihr seht schon, oder ihr hört es, man kann hier eine Menge lernen von der Jugend. Ich bin begeistert, was ich jetzt hier alles neu erfahren habe.