hör:werk

Pouya Raufyan

hör:werk die Vierte

selbstgestaltete Zeitung, di auf dem Titelblatt die vierte Sendung vom hörwerk ankündigt

Am 25. August 2021 waren wir wieder zu hören – mit unserer vierten Live-Sendung. Von 12 bis 14 Uhr ging es auf stayfm.com in unserem Mittags-Talk zu Kunst, Kultur, Inklusion und Diversity.

Schwerpunkt-Thema war Afghanistan. Zu Beginn wurde der Musiker und Schauspieler Pouya Raufyan vorgestellt. Es wurde auch seine Musik gespielt. Wir haben einen eigenen Beitrag zu ihm erstellt (Link).

Erster Studio-Gast war HasanWalizada. Hasan ist als unbegleiteter Minderjähriger gemeinsam mit seinem Zwillings-Bruder nach Deutschland gekommen. Er hat gerade eine Ausbildung abgeschlossen. Jetzt möchte er sein Abitur nachholen. Er berichtet von einem Demokratie-Projekt für Jugendliche. Dort hat er mitgemacht. Das Quiz wurde für Jugendliche am Gaswerk veranstaltet. Dabei war auch die Stadträtin Franziska Wörz.

Als zweiter Studio-Gast folgte Farhad Sidiqi. Als Musiker nennt er sich Farhad Jooyenda. Er war bereits in Afghanistan bekannt. Auch er erzählte von seinem Ankommen in Deutschland und wie es weiter ging. Mithilfe seiner Musik konnte er dem Leben in der Unterkunft entfliehen. Und er konnte Netzwerke knüpfen.

Das Ganze wurde abgerundet von einer Menge hörenswerter Musik – von Lienne, von Gamazda, von der 1980 in Augsburg gegründeten Punkrock-Band „Impotenz“ und auch von Jooyenda, dem Studio-Gast.

Habt ihr die Sendung verpasst? Dann könnt ihr sie hier im Sender-Archiv anhören.
https://hearthis.at/stayfm/hoerwerk04susanne-thomachristian-peters25-08-21/

Pouya Raufyan – ein bewegtes Leben

Schriftzug Farhad Jooyenda auf dem Sternenhimmel

Pouya Raufyan ist Zahnarzt und Musiker. Er kommt aus Afghanistan. 2011 musste aus seiner Heimat vor den Taliban fliehen. Die Taliban sind eine Gruppe in Afghanistan. Sie kämpfen mit Gewalt gegen die Regierung von Afghanistan. Sie kämpfen auch gegen alle die die Regierung unterstützen. Alle Menschen müssen nach den Regeln von den Taliban leben. Sonst töten die Taliban die Menschen. In diesem August ist es sogar so gekommen, dass die Taliban das Land wieder übernommen haben. Viele Menschen sind wieder auf der Flucht.

Aber auch schon vorher war Afghanistan kein sicheres Land. Vor allem nicht für Pouya Raufyan. Er hat als Zahnarzt Ausländer:innen und Leute mit christlicher Kirchen-Zugehörigkeit behandelt. Außerdem hat er sich in seinen Lieder gegen die Taliban gewandt.

Die Fluchtgeschichte von Pouya Raufyan ist schrecklich. 2017 sollte Pouya Raufyan nach Afghanistan „abgeschoben“ werden. Abschiebung nennt die deutsche Polizei, wenn Menschen Deutschland wieder verlassen müssen. Die Menschen werden von der Polizei abgeholt. Dann werden sie in ein Flugzeug gesetzt und in das Land, aus dem sie kommen, zurückgebracht. Damals hat Pouya schon sechs Jahre in Deutschland gelebt. Er hat auch als Schauspieler in Augsburg und München gearbeitet. Die Aufführung eines Theater-Stücks mit ihm stand kurz bevor. Es gab viel Protest. Afghanistan war nicht sicher, erst recht nicht für ihn. In einem Lied hat er den Krieg in Afghanistan beschrieben. Er hat die Taliban Teufel genannt. Das Lied war in Afghanistan bekannt.

Im Dezember 2017 flog Raufyan selbst nach Kabul, um nicht abgeschoben zu werden. Mit ihm war ein Freund aus Deutschland. Es war sehr gefährlich. Es wird beobachtet, wer einreist. Und diese Leute werden dann verfolgt. Pouya hat gehofft, bald auf irgendwelchen Wegen wieder nach Deutschland zu kommen und dort bleiben zu können. Er war 55 Tage in Afghanistan. Dann ist er legal – also auf erlaubtem Wege – in Deutschland eingereist. Diese Geschichte hat er auf seinem ersten Album verarbeitet. Das Album heisst „Keine Angst“.

Seine Lieder handeln auch von den 55 Tagen in Afghanistan. Er durfte es nicht wagen, jemanden zu besuchen. Weder geliebte Menschen noch Orte aus seiner Kindheit. Das war zu gefährlich. Es brachte ihn und die Menschen in Gefahr. Nach seiner geglückten Rückkehr nach Deutschland schrieb Pouya Raufyan weiter Lieder: auf deutsch, englisch, persisch. Er singt viel über Krieg. Er sagt, dass er sein ganzes Leben nur Krieg erlebt habe. So ist das Leben, singt er, es gibt keine Balance. „Keine Angst“ ruft er trotzig den Taliban entgegen.

Mittlerweile lebt Pouya Raufyan frei und sicher in Deutschland. Seine Familie ist jedoch immer noch in Afghanistan und in Gefahr. „Was bringt dir die Freiheit“, sagt Pouya Raufyan dem Bayerischen Rundfunk, „wenn du dich nicht frei fühlst, weil deiner Familie immer etwas passieren könnte?“

Dieser Text ist in einfacher Sprache gehalten. Er geht zurück auf einen Beitrag von Tobias Ruhland bei BR24 vom 16.10.2020.