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Fehler Kuti – wenn Politik auf Musik trifft

Der Musiker Fehler Kuti heißt eigentlich Julian Warner. Er macht auch Theater. Dass er auch Kultur-Anthropologie studiert hat, hört man an seinen Texten. Kultur-Anthropologie ist die Wissenschaft von Menschen und Kulturen.

Fehler Kuti – das ist eine humoristische Verfremdung des Namens Fela Kuti. Er war ein nigerianischer Afrobeat-Musiker. Als mal jemand ein Bühnenfoto von Juliam Warner gesehen hat, sagte er, sehe aus wie Punkband-Version des afrikanischen Musikers. Das hat Julian Warner gefallen. Genau wie Fela Kuti macht auch Fehler Kuti politische Musik.

Sein erstes Album hieß „Schland Is The Place For Me“. Es handelt viel von Rassismus. Menschen mit einer bestimmten Abstammung oder Religion werden manchmal einer Rasse zugeordnet. Rassismus geht aber noch viel weiter. Gewisse Völker oder Menschen werden oftmals als dumm, faul oder auf eine andere Art minderwertig dargestellt.

Das Album „Professional People“ kam im Sommer 2021 heraus. Es handelt von Solidarität, Ungerechtigkeit, Klassen- und Verteilungskämpfe – auch während der Corona-Krise. Wenn Menschen solidarisch handeln, fühlen sie, dass sie zusammen gehören oder etwas gemeinsam erreichen wollen. In der Corona-Krise hat Fehler Kuti gesehen, wie zum Beispiel Musiker:innen und auch andere Menschen keine staatlichen Hilfen bekommen haben. Diese Erfahrungen hat er zum Thema seiner Songs gemacht.

Die Musik ist experimentell. Vieles ist elektronisch. Seine Texte sind auf Englisch gemixt mit Deutsch, auch „Denglisch“ genannt. Fehler Kutis Eltern waren als Anghörige der britichen Armee in Deutschland stationiert. In seinem Elternhaus wurde Englisch gesprochen. Für einige deutsche Wörter wurde im Gespräch oft so schnell kein englisches Wort gefunden, dann Denglisch gesprochen. Fehler Kuti meint: „Es geht auch um diesen Zwischenraum: Ich habe einen britischen Pass, einen deutschen Pass werde ich wahrscheinlich nicht bekommen, obwohl ich hier geboren bin. Und das umzudeuten, darum geht es mir. Zu sagen: Es gibt auch eine (..) Kultur, die aus diesem Zwischenraum erwächst“. Diese Zwischenräume sind auch in der Musik zu hören.

Dieser Beitrag ist in einfacher Sprache gehalten. Er geht zurück auf einen Beitrag von Ralf Summer für den Bayerischen Rundfunk und einem Interview im „Popcast“, dem gemeinsamen Podcast vom Goethe-Institut und dem BR Zündfunk.

Walk OFF fame – ein Audio-Walk

Künstler:innen von bluespots productions haben einen audio-gestützten Spaziergang zur kolonialen Geschichte Augsburgs entwickelt. Es ist eine geführte Spazierroute mit Hör-Beiträgen. „Walk OFF fame“ ist ein Wortspiel mit den englischen Worten Walk (für Spaziergang), off (für aus) und fame (für Ruhm). Mit dem Spaziergang soll der koloniale Ruhm beendet und hinter die Geschichte gesehen werden.

Kolonialismus sagt man zu der Eroberung von Land auf anderen Erdteilen durch Gewalt durch europäische Länder. Die dort lebenden Menschen wurden dabei nicht gefragt. In den Ländern wurden oft Städte und Festungen gegründet. Damit von dort das Land überwacht und ausgebeutet werden konnte. Es ging vor allem um Gold, Silber und Edelsteine. Später kamen auch Baumwolle, Kaffee, Kakao, Tee oder Bananen dazu. Es wurde auch mit Sklaven gehandelt und gefangene Menschen wurden als Eigentum verkauft. Von diesem Handel haben nur die Länder in Europa profitiert. Die sogenannten Kolonien wurden ausgebeutet. Post-Kolonialismus bedeutet, sich mit dem Kolonialismus und seinen Folgen auseinander zu setzen. Und dabei sich auch bewusst zu werden, dass einige Muster auch heute noch Bestand haben.

Der Audio-Walk führt vom Rathaus-Platz zum Park am Roten Tor. Die Texte zum Hören zeigen die andere Seite der glänzenden Augsburger Vergangenheit: Welche koloniale Spuren finden sich in Augsburgs Stadtbild? Die Sicht von Menschen, die bisher gar nicht oder nur wenig Gehör gefunden haben, wird erzählt. Lügen aus der Geschichte werden als solche entlarvt. Das, was man bisher dazu dachte und wusste, wird kritisch beleuchtet.

Startpunkt: Rathausplatz (Augustusbrunnen)
Dauer: ca. 100 Minuten
Ende: Park am Roten Tor

Der postkoloniale Audiowalk ist ab sofort dauerhaft verfügbar in der App storydive unter der Webadresse get.storydive.de. Mehr Infos zur Handhabung gibt es auf der Website von bluespotsproductions.

Konzipiert wurde der postkoloniale Audiowalk von bluespots productions und postcolonial realities.

Spuren von Menschen – Kunst kennt keine Barrieren

2 Bildcollagen auf Staffeleien

Menschen möchten gerne Spuren hinterlassen. Das gilt für alle Menschen, also auch für Menschen mit Behinderungen. „Aber wie geht das?“, fragt der Heilerziehungspfleger und Künstler Romano Gurgi-Mondigi. Das künstlerische Schaffen von Menschen mit Behinderungen ist oft nicht zu sehen. Ein Mensch mit Behinderung kann meistens nicht dafür sorgen, dass die eigene Kunst sichtbar wird.

Gurgi-Mondigi meint, dass „im Kleinen jeder Mensch die Welt bewegt. Da geht es nicht um Berühmtheit oder Welt-Politik“. Er beklagt, dass betrunkene Passanten in einer Stadt wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen würden als Menschen mit Behinderung, die im Keller sitzen und malen. Daher machte er mit behinderten Menschen eine Kunst-Aktion. Die Werke behinderter Künstler:innen sollten Öffentlichkeit erhalten. Sie sollten somit Spuren hinterlassen. Im Sommer 2021 wurde eine Zusammenarbeit mit der Augsburger Moritzkirche und dem Domenikus-Ringeisen-Werk beschlossen. Gurgi-Mondigi erstellte mit behinderten Menschen verschiedene Kunst-Werke. Er besorgte das nötige Material, die Farben, die Pinsel, die Werkzeuge. Die Kunstwerke wurden von den Künstler:innen selbst geschaffen. Es entstanden ja nach Begabung Bilder, Collagen, Skulpturen und Figuren. Diese wurden dann im Begegnungs-Café „moritzpunkt“ ausgestellt. Der Titel der Ausstellung lautete: „Unsere Spuren – Kunst kennt keine Barrieren.“

Die Ausstellung zeigte, dass künstlerisches Tun keine Frage einer körperlichen oder geistigen Einschränkung ist. Denn Kunst ist keine Erfindung, sondern eine Schöpfung. Gurgi-Mondigi freut sich über das Interesse an der Ausstellung und neue Kontakte. Diese können neue Aktionen mit offenen Werkstätten ergeben. Auch Workshops mit der der Universität in Augsburg. Für den nächsten Sommer plant Gurgi-Mondigi eine öffentliche Veranstaltung mit malenden Rollstuhlfahrer*innen auf dem Augsburger Moritzplatz. Gurgi-Mondigi weiß: „Im Begegnen und Vertrauen können Barrieren abgebaut werden.“

Die Filmemacherin Stefanie Sixt hat darüber einen Film erstellt. Sie zeichnet das Entstehen dieser besonderen Kunst nach. Auch die Ausstellung wird im Film gezeigt.

Text: Arno Loeb, Barbara Thiele, Foto: Arno Loeb

hör:werk die Sechste

Kinowerbung mit Schriftzug hörwerk die sechste

Am 15. September waren wir wieder zwei Stunden auf Sendung. Durch unseren Mittags-Talk zu Kunst, Kultur und Inklusion führte dieses Mal Lina Mann. Unterstützt wurde sie von Susanne Thoma und Christian Peters. Studiogast war die vielseitige Claudia Böhme. Menschen mit Beeinträchtigungen für kulturelle Angebote zu gewinnen und zu begeistern ist ihr ein Anliegen. Sie selbst lebt mit einer Seheinschränkung. Sie hat Geschichte und Literaturwissenschaften studiert und einen Master der Fachdidaktischen Vermittlungswissenschaft in den Fächern Geschichte und Kunstpädagogik erlangt. Seit 2012 ist Claudia Böhme als Gästeführerin für die Regio Augsburg Tourismus sowie für Museen und Ausstellungen tätig. In der Sendung berichtet sie, wie sie Audiodeskriptionen für Filme, für Theater oder für Museums-Ausstellungen erstellt. Sie gibt viele Einblicke in vorhandene oder nicht vorhandene Inklusionsansätze von Kunst- und Kulturangeboten in Augsburg.

Habt ihr die Sendung verpasst? Dann könnt ihr sie hier im Sender-Archiv anhören.
https://hearthis.at/stayfm/hoerwerk06lina-mann15-09-2021/

Rap und echte Kerle

Zwei große Regenbogen-Fahnen im Regen

Vor allem im Mainstream-Rap sind die Musiker weiterhin noch echte Kerle. Das ist so in den Bildern und in den Texten. Frauen sind meist nur schmückendes Beiwerk und Sex-Objekte. Mainstream ist ein englisches Wort. Es bedeutet „Hauptströmung“. Der Mainstream spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider. Zum Massen-Geschmack gehört eben auch Gangsta- und Porno-Rap. Auch wenn die Musiker oft nur so tun, als seien sie Gangster. In Deutschland sind sehr viele Rapper diesem Stil verfallen. Zur Szene gehört die Verachtung von Homo-Sexualität und von Frauen. Dazu kommt die Verherrlichung von Gewalt.

Die Berliner Rapperin Sokee hat schon früh darauf hin gewiesen. Sie fand das schlecht und hat das auch so gesagt. Viele erfolgreiche Rapper in Deutschland sind aus Migranten-Familien. Migrant:in meint Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind. Die in anderen Ländern geboren und aufgewachsen sind. Migrant:innen werden oft diskriminiert. Diskriminierung heißt, Menschen schlechter zu behandeln als andere Menschen. Zum Beispiel werden Menschen beschimpft, weil sie aus einem anderen Land kommen. Oder manchmal bekommt eine Frau einen Arbeits-Platz nicht, weil sie eine Frau ist. Oder manchmal darf ein Mann beim Sport nicht mitmachen, weil er homo-sexuell, also schwul ist. Das sind Beispiele für Diskriminierung.

Sokee findet es um so schlimmer, mit eigener Diskriminierungs-Erfahrung andere zu diskriminieren. Sie versteht nicht, dass diese Rapper Homo-Sexuelle und Schwulsein so hassen. Und davon singen. Sokee bezeichnet sich als queer. Queer (ausgesprochen: Kwier) kommt aus dem Englischen. Es heißt sonderbar, eigenartig oder komisch. Menschen sagen von sich selber, dass sie queer sind. Sie wollen sich abgrenzen von der „normalen“ festgelegten Hetero-Sexualität. Dass es immer nur Bilder und Geschichten davon gibt. Dass eine Frau nur einen Mann lieben darf und ein Mann eine Frau. Queere Menschen bezeichnen sich gerne als sonderbar. Und finden es gut, dass da Platz entsteht für mehr. Mehr an Vielfalt und Leben.

Sokee bei Wikipedia mit umfangreicher verlinkter Materialsammlung

Website von Sokee (mit Musik- und Konzert-Ausschnitten)

Bild: Corinna Behrens – Pixabay

KunstGang verschönert Schaufenster

Ans Fenster gemalter Schriftzug "KunstGang"

Leben in die Stadt bringen – das wollte das Projekt KunstGang. Mit einer Ausstellung von Künstler:innen in der Augsburger Innenstadt. Die Kunst-Werke waren in 18 Schaufenstern und Vitrinen zu sehen. Mit diesem Projekt sollte die Innenstadt zu einem Besuch einladen. Neues kann in der Stadt entdeckt werden. Das soll den Künstler:innen und den Händler:innen nutzen.

Der Verein Schöne Felder e.V. hat dazu aufgerufen. Aus rund 60 Bewerbungen wurden 17 Künstler:innen und Künstler:innen-Gruppen ausgewählt. Entwickelt wurde auch ein Audio-Führer. Den gibt es noch auf der Website der KunstGang, wo zudem sämtliche beteiligten Künstler:innen und die Standorte verzeichnet sind.

hör:werk die Fünfte

Am 3. September waren wir mit unserer Radiosendung wieder live! Mit unserer fünften Sendung haben wir uns selbst übertroffen. Wir haben 5 Stunden aus dem Gaswerk gesendet. Dokumentiert sind hier jedoch nur zwei-einhalb Stunden. Wir haben dafür das Studio verlassen und von draußen aus dem „Feuerroten Soundmobil“ gesendet – direkt vor Publikum. Und wie immer mit Interview-Gästen. Für uns waren mit dabei Susanne Thoma, Miriam Artmann, Christian Peters.

Schwerpunkt-Thema dieses Mal waren die Augsburger Zukunfts-Leitlinien und die Nachhaltigkeits-Diskussion in der Stadt. Wie kommt die Inklusion in diesen Leitlinien vor? Darüber klärte Susanne Thoma auf: Das Projekt hör:werk ist Teil des Agendaprozesses, der ein zukunftsfähiges Augsburg zu Ziel hat. Hierzu werden nicht nur für ökologische Probleme Lösungen gesucht. Auch die soziale Dimension ist ein wichtiges Gebiet. Es gibt gemeinsam beschlossene Zukunftsleitlinien. Eine Leitlinie ist zum Beispiel „Teilhabe für alle“. Darin finden wir uns vor allem mit unserem hör:werk wieder. Wir wollen Diskriminierungen und Barrieren abbauen und Chancengerechtigkeit herstellen. Das versuchen wir durch soziokulturelle Projekte zu realisieren. Soziokulturell heißt, dass wir die Kunst- und Kulturszene mit Nicht-Künstler:innen zusammen bringen. Kunstproduktionen sind eine guter Ort für Dialoge zwischen unterschiedlichen Menschen. So entsteht immer wieder ein Miteinander. Die Chance wächst, dass Leute ihre Perspektive wechseln und Verständnis füreinander entwickeln.

Während der Sendung waren wir im Gespräch mit Martin Schenkelberg – Sozialreferent, Norbert Stamm – Büro für Nachhaltigkeit, Sylvia Schaab – Agendasprecherin, Tom Hecht – Agendasprecher, Lisa Seifert, Fotografin und Musikerin, Christine Klink – Insektenrangerin der Umweltstation, Martina Wild – Bürgermeisterin, Silke Klos-Pöllinger – DGB-Regionalchefin, Florian Samweber – swa Innovation, Reiner Erben – Nachhaltigkeitsreferent, Heinrich Pick – Agentur elfgenpick, Christian Müller – Architekt.

Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben. Habt ihr die Sendung verpasst? Dann könnt ihr sie hier im Sender-Archiv anhören.
https://hearthis.at/stayfm/hoerwerk05susanne-thomalokale-agenda-2103-09-21/

Demokratie-Spiel für junge Menschen

Pareaz hat ein Demokratie-Spiel für junge Menschen gemacht. Das Wort Demokratie ist griechisch. Es heißt auf Deutsch: „Herrschaft des Volkes“. Demokratie ist eine Staats-Ordnung. Eine Ordnung, die sagt, wer in einem Staat bestimmen darf. Die Ordnung sagt auch, wer Gesetze machen darf. In einer Demokratie bestimmt das Volk. Das Volk wählt Vertreter:innen.

Für die Spiel-Entwicklung hat der Verein Geld bekommen – für Demokratie-Förderung. Es geht darum, jungen Menschen Demokratie zu erklären. Es ist ein Stadt-Spiel. Man spielt es draußen. Das Spiel ist für das Gaswerk in Augsburg angelegt.

Es soll junge Menschen dazu anregen, sich mehr mit Demokratie-Fragen zu beschäftigen. Das Thema liegt quasi „vor der Haustür“: Demokratie im Quartier. Es geht nicht nur darum wie das Ganze funktioniert. Sondern auch, wie man selbst dabei mitmischen kann.

Das Spiel/ Quiz kann als Rallye gespielt werden. Dazu erhalten alle Teilnehmenden ein Fragen-Heft, einen Gelände-Plan mit neun Stationen und ein Smartphone. An den Stationen gibt es verschiedene Geschichten zu hören oder zu lesen. Diese werden im Web aufgerufen.

Wer mit Kindern arbeitet, der kann diese Materialien sowie die dazugehörigen QR-Codes bei uns anfordern. Das Demokratie-Spiel wurde mit Kindern und Jugendlichen aus dem sonderpädagogischen Bereich sowie mit geflüchteten Jugendlichen erarbeitet. Das Spiel ist so wie es ist für das Gaswerk in Augsburg gemacht. Es kann aber auch auf andere Orte übertragen werden. Zum Beispiel kann es auch in einer Schule oder in einem Jugend-Zentrum gespielt werden.

Link zur Projekt-Website

Zukunfts-Leitlinien für Augsburg

1992 hat die Konferenz der die Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung beschlossen, dass alle Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt Ziele für die Zukunft erarbeiten sollen. Diese Ziele sollten sie gemeinsam mit ihren Bürger:innen abstimmen. Wie soll die Stadt oder die Gemeinde im 21. Jahrhundert aussehen? Wie wollen die Menschen im Ort miteinander leben? Und wie wollen sie die Zukunfts-Fähigkeit – ein gutes und gesundes Leben für alle Menschen an ihrem Ort sichern?

In vielen Städten und Gemeinden setzen sich seitdem aktive Bürger:innen dafür ein, diese Ziele zu benennen. Diese Liste mit den Zielen für die Zukunft wird „Agenda“ genannt. Eine Agenda ist eine Liste in der Ziele festgehalten werden. Die Ziele werden genau beschrieben und auch wie sie erreicht werden können. Und weil sie sich auf eine Stadt oder Gemeinde bezieht und nicht wie bei den Vereinten Nationen auf die ganze Welt, heißt es „Lokale Agenda 21“. Lokal meint auf einen Ort beschränkt. Die Zahl 21 steht für das 21. Jahrhundert, die nahe Zukunft.

Im Jahr 2015 hat dann Vollversammlung der Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit 17 Weltnachhaltigkeits-Zielen beschlossen. Nachhaltigkeit sind Ziele und Regeln von Menschen. Nachhaltigkeit bedeutet, nur so viel von einer Sache zu verbrauchen, wie in der Natur neu entsteht. Wenn man etwas nachhaltig tut, bedeutet das, dass man damit auch in Zukunft immer so weitermachen könnte. Schon vor 300 Jahren haben Menschen überlegt, wie man Holz in einem Wald fällen kann, ohne dass der Wald dadurch kleiner wird. Sie haben jedes Jahr nur so viel Holz geholt, wie in der Zwischenzeit nachwachsen konnte. Das ist ein Beispiel für nachhaltige Wald-Wirtschaft. Heute spricht man viel über Nachhaltigkeit, vor allem in Verbindung mit Umwelt- und Klima-Schutz.

Klima meint alles Wetter zusammen. Das Wetter der letzten 30 Jahre zusammen gesehen. Zum Beispiel ob es warm oder kalt gewesen ist. Klima ändert sich nur langsam. Das Klima wandelt sich und die Umwelt auch. Der Klima-Wandel verändert unsere Erde. Vieles von dem wir jetzt leben, gibt es für die Menschen in der Zukunft nicht mehr.

Zum Beispiel Regeln für Trink·Wasser. Damit es sauber bleibt. Alle Sachen soll man sorgfältig machen. Damit Sachen nicht kaputt gehen. Und damit Sachen lange halten. Alle Menschen sollen gut leben können. Die Menschen sollen die Natur gut behandeln. Der Natur und den Menschen soll es durch Nachhaltigkeit lange Zeit gut gehen.

Seit 25 Jahren treten Augsburger:innen gemeinsam im Lokalen Agenda 21-Prozess für eine nachhaltige Entwicklung Augsburgs ein. Mit dabei sind Umwelt- und Eine-Welt-Gruppen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, kirchliche Gruppen, Vertreter der Wirtschaft, der Stadtverwaltung und andere Organisationen. Gemeinsam arbeiten sie für eine zukunftsfähige und lebenswerte Stadt Augsburg.

Viele Menschen, die in Augsburg leben, haben gemeinsam die Zukunfts-Leitlinien erarbeitet. Der Stadtrat hat im Juli 2015 die Zukunfts-Leitlinien für Augsburg beschlossen.

Die Zukunftsleitlinien haben vier Bereiche:

  1. Wie können wir unsere Natur schützen – das ist die Ökologische Zukunftsfähigkeit.
  2. Wie können alle Menschen gut leben – das ist die Soziale Zukunftsfähigkeit.
  3. Wie können wir sparsamer sein – das ist die Ökonomische Zukunftsfähigkeit.
  4. Wie wollen wir zusammenleben – das ist die Kulturelle Zukunftsfähigkeit.

Es gibt bei der Stadtverwaltung ein Büro für Nachhaltigkeit. Dieses Büro hat die Zukunfts-Leitlinien in einfacher Sprache in einer Broschüre herausgebracht. Hier kannst du lesen, was du tun kannst, um unsere Erde und unsere Stadt zu beschützen. Die 10-seitige Broschüre kann als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Bild: Bildschirmfoto (Ausschnitt) Website www.nachhaltigkeit.augsburg.de

Vielfalt im Museum

Auf einer alten Schreibmaschine ist ein Papier eingespannt, auf dem stehen die Wörter Museum, Ausstellung und Bilder

Einmal im Jahr ist Diversity-Tag. Diversity ist ein schweres Wort. Es ist ein englisches Wort. Es meint Vielfalt. Es meint aber noch mehr – nämlich den bewussten Umgang mit der Vielfalt und der Verschiedenheit der Menschen. Es geht darum, diese Verschiedenheit gut zu finden. Als etwas, was das Leben reicher macht. Wichtig ist, niemanden schlechter zu stellen und zu behandeln. Alle sollen die gleichen Chancen haben.

Am Diversity-Tag finden Veranstaltungen zum Thema Vielfalt statt. In Augsburg gab es ein Fach-Gespräch zum Thema Vielfalt in den Museen. Diese Diskussion fand online statt. Wenn Fachleute vor Zuhörer:innen miteinander sprechen, nennt man das Podiums-Diskussion. Die Fach-Leute haben oft andere Meinungen. Sie streiten darüber. Dabei erklären sie den anderen Menschen, warum sie diese Meinung zu dem Thema haben.

Zu der Diskussion hat OpenAfroAux eingeladen. Das ist eine Gruppe von (schwarzen) Menschen, die dafür sind, dass man sich in Deutschland mit der Vergangenheit bschäftigt. Und wie diese Vergangenheit den Blick auf die Welt prägt. Der Blick ist fast immer der von weißen Menschen. Diese sehen auf andere oft ärmere Länder und Menschen anderer Hautfarbe herunter. Das findet sich dann auch in der Art und Weise wieder, wie Museen etwas zeigen. So sind dann auch oft die Ausstellungen von diesem Blick geprägt.

Diskutiert wurde die Frage: Was müssen Museen im Umgang mit ihren Objekten und ihrer Ausstellungspraxis ändern? Geschichte wird in Museen häufig rein aus der Sicht von Deutschland und Europa und von weißen Menschen erzählt. So wird Kolonialismus wiederholt. Kolonialismus sagt man zu der Eroberung von Land auf anderen Erdteilen durch Gewalt durch europäische Länder. Die dort lebenden Menschen wurden dabei nicht gefragt. In den Ländern wurden oft Städte und Festungen gegründet. Damit von dort das Land überwacht und ausgebeutet werden konnte. Es ging vor allem um Gold, Silber und Edelsteine. Später kamen auch Baumwolle, Kaffee, Kakao, Tee oder Bananen dazu. Es wurde auch mit Sklaven gehandelt. Sklaven sind gefangene Menschen, die als Eigentum verkauft werden.

Auch Rassismus findet man in den Ausstellungen wieder. Rassismus ist eine Art, wie manche Menschen über andere Menschen denken. Rassistische Menschen denken, dass es verschiedene Gruppen von Menschen gibt, sogenannte Rassen. Oft geht es dabei um die Hautfarbe. Aber auch Menschen mit einer bestimmten Abstammung oder Religion werden manchmal einer Rasse zugeordnet, wie zum Beispiel die Juden. Rassismus geht aber noch viel weiter. Die verschiedenen Menschen sollen auch nicht alle denselben Wert haben. Gewisse Völker oder Menschen aus diesen Völkern werden dann als dumm, faul oder auf eine andere Art minderwertig dargestellt.

Die Ausstellungen und die Objekte in den Sammlungen und Museen müssen also kritisch angesehen werden. Es geht darum, koloniale und rassistische aber auch europäische Blicke und Sichtweisen zu erkennen und zu verändern. In der Veranstaltung wurde gefordert, Geschichte aus vielerlei Sichten zu erzählen. Das heißt in der Fachsprache „multi-perspektivisch“. Es gibt dafür gute Beispiele aus anderen Städten. In Augsburg beginnt das Fugger- und Welser-Museum die eigenen Sammlungen und deren öffentliche Darstellung kritisch zu betrachten. Ein Beispiel ist es, wenn bei Stadtführungen in Augsburg auch die Geschichte von Zuwanderung und zugewanderter Menschen mit gezeigt wird.

Am Schluss der Diskussion sind sich die Fachleute einig. Die Museen sollen sich als Häuser in einer Gesellschaft der Vielfalt verstehen. Für eine andere Ausrichtung und vielfältige Blicke gibt es genügend Ideen und auch Beispiele.

Dieser Text ist in einfacher Sprache gehalten. Er geht zurück auf den Beitrag “Welcher Blick zählt?” von Juliana Hazoth vom 25.05.2021, veröffentlicht von a3kultur – Feuilleton für Augsburg Stadt/Land und Wittelsbacher Land.
Zur Quelle: http://a3kultur.de/positionen/welcher-blick-zaehlt