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Hörend sehen

Die Audiodeskription ist für blinde oder sehbehinderte Menschen eine wichtige Methode um das Geschehen auf der Bühne, auf dem Bildschirm, auf der Leinwand oder auf dem Fußballfeld hörend sehbar zu machen. Eine Stimme beschreibt die wichtigen Situationen im Film, im Fernsehen oder im Theater. Sie ertönt, wenn im Film, im Fernsehen oder beim Theaterstück nicht gesprochen wird. Genau gesagt werden in die Sprechpausen hörbare Kommentare eingefügt. Mit möglichst wenig Worten, wird das Geschehene beschreiben. Sitzen diese Menschen im Publikum, kann die Audiodeskription per Funk nur von ihnen live über Kopfhörer erfolgen. Zu Hause natürlich über die Lautsprecher des Fernsehers oder des Computers.

Eine Spezialistin für Audiodeskription ist die vielseitige Claudia Böhme. Zusammen mit einem sehenden Menschen schreibt sie als blinde Autorin die Texte für Museen, Ausstellungen, Filme oder bereitet sich mit ihm auf eine Live-Übertragung bei Sport oder Theater vor. Sie wurde zu einer Sendung von Radio hör:werk eingeladen, um ihre Arbeit mit Audiodeskription zu erklären. Mit dem Staatstheater Augsburg erstellte sie eine viel gelobte Audiodeskription für die Rockoper „Jesus Christ Superstar“ auf der Freilichtbühne. Blinden und sehbehinderten Menschen wurde so ermöglicht dieses Musical nicht nur als Hörspiel zu erleben. Sie erhielten außerdem im Kopf eine Vorstellung vom Gesamteindruck der Aufführung.

Zu diesem Musical wurde als gelebte Inklusion für die blinden und sehbehinderten Menschen vom Staatstheater Augsburg mit dem Regisseur David Ortmann in Zusammenarbeit mit Claudia Böhme ein besonderes Rahmenprogramm angeboten: Bei einer exklusiven Einführung konnten vorab Kostüme, Requisiten und Teile des Bühnenbilds ertastet und kennengelernt werden. Ortmann war von dieser Aktion begeistert und hat weitere Audiodeskriptionen beim Staatstheater Augsburg versprochen.

Claudia Böhme erhielt für ihre hervorragende Arbeit 2016 bei dem Film „45 Years“ den Deutschen Hörfilmpreis. Bekannt ist sie auch durch ihre Audiodeskription für den „Tatort“ im Fernsehen. Sie empfiehlt den Film „Tanze Tango mit mir“ als gutes Beispiel für einen gelungenen Deskription.

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, hat schon als Theater-Dramaturgin gearbeitet. Sie meint als Jury-Mitglied zum Preis für die beste Audiodeskription des Jahres: „Dieser Preis gehört auf die Tagesordnung in jedem Jahr. Die Audiodeskription gehört in die Welt des Films, genau wie die Berlinale,
genau wie der Oskar, genau wie die Lola. Und ich freue mich, dass immer mehr Menschen begreifen, welche Bedeutung dieser Preis hat. Denn er ist einer der wichtigsten Menschenrechtspreise in unserem Land!“

Beitrag von Arno Loeb

Fehler Kuti – wenn Politik auf Musik trifft

Der Musiker Fehler Kuti heißt eigentlich Julian Warner. Er macht auch Theater. Dass er auch Kultur-Anthropologie studiert hat, hört man an seinen Texten. Kultur-Anthropologie ist die Wissenschaft von Menschen und Kulturen.

Fehler Kuti – das ist eine humoristische Verfremdung des Namens Fela Kuti. Er war ein nigerianischer Afrobeat-Musiker. Als mal jemand ein Bühnenfoto von Juliam Warner gesehen hat, sagte er, sehe aus wie Punkband-Version des afrikanischen Musikers. Das hat Julian Warner gefallen. Genau wie Fela Kuti macht auch Fehler Kuti politische Musik.

Sein erstes Album hieß „Schland Is The Place For Me“. Es handelt viel von Rassismus. Menschen mit einer bestimmten Abstammung oder Religion werden manchmal einer Rasse zugeordnet. Rassismus geht aber noch viel weiter. Gewisse Völker oder Menschen werden oftmals als dumm, faul oder auf eine andere Art minderwertig dargestellt.

Das Album „Professional People“ kam im Sommer 2021 heraus. Es handelt von Solidarität, Ungerechtigkeit, Klassen- und Verteilungskämpfe – auch während der Corona-Krise. Wenn Menschen solidarisch handeln, fühlen sie, dass sie zusammen gehören oder etwas gemeinsam erreichen wollen. In der Corona-Krise hat Fehler Kuti gesehen, wie zum Beispiel Musiker:innen und auch andere Menschen keine staatlichen Hilfen bekommen haben. Diese Erfahrungen hat er zum Thema seiner Songs gemacht.

Die Musik ist experimentell. Vieles ist elektronisch. Seine Texte sind auf Englisch gemixt mit Deutsch, auch „Denglisch“ genannt. Fehler Kutis Eltern waren als Anghörige der britichen Armee in Deutschland stationiert. In seinem Elternhaus wurde Englisch gesprochen. Für einige deutsche Wörter wurde im Gespräch oft so schnell kein englisches Wort gefunden, dann Denglisch gesprochen. Fehler Kuti meint: „Es geht auch um diesen Zwischenraum: Ich habe einen britischen Pass, einen deutschen Pass werde ich wahrscheinlich nicht bekommen, obwohl ich hier geboren bin. Und das umzudeuten, darum geht es mir. Zu sagen: Es gibt auch eine (..) Kultur, die aus diesem Zwischenraum erwächst“. Diese Zwischenräume sind auch in der Musik zu hören.

Dieser Beitrag ist in einfacher Sprache gehalten. Er geht zurück auf einen Beitrag von Ralf Summer für den Bayerischen Rundfunk und einem Interview im „Popcast“, dem gemeinsamen Podcast vom Goethe-Institut und dem BR Zündfunk.

Walk OFF fame – ein Audio-Walk

Künstler:innen von bluespots productions haben einen audio-gestützten Spaziergang zur kolonialen Geschichte Augsburgs entwickelt. Es ist eine geführte Spazierroute mit Hör-Beiträgen. „Walk OFF fame“ ist ein Wortspiel mit den englischen Worten Walk (für Spaziergang), off (für aus) und fame (für Ruhm). Mit dem Spaziergang soll der koloniale Ruhm beendet und hinter die Geschichte gesehen werden.

Kolonialismus sagt man zu der Eroberung von Land auf anderen Erdteilen durch Gewalt durch europäische Länder. Die dort lebenden Menschen wurden dabei nicht gefragt. In den Ländern wurden oft Städte und Festungen gegründet. Damit von dort das Land überwacht und ausgebeutet werden konnte. Es ging vor allem um Gold, Silber und Edelsteine. Später kamen auch Baumwolle, Kaffee, Kakao, Tee oder Bananen dazu. Es wurde auch mit Sklaven gehandelt und gefangene Menschen wurden als Eigentum verkauft. Von diesem Handel haben nur die Länder in Europa profitiert. Die sogenannten Kolonien wurden ausgebeutet. Post-Kolonialismus bedeutet, sich mit dem Kolonialismus und seinen Folgen auseinander zu setzen. Und dabei sich auch bewusst zu werden, dass einige Muster auch heute noch Bestand haben.

Der Audio-Walk führt vom Rathaus-Platz zum Park am Roten Tor. Die Texte zum Hören zeigen die andere Seite der glänzenden Augsburger Vergangenheit: Welche koloniale Spuren finden sich in Augsburgs Stadtbild? Die Sicht von Menschen, die bisher gar nicht oder nur wenig Gehör gefunden haben, wird erzählt. Lügen aus der Geschichte werden als solche entlarvt. Das, was man bisher dazu dachte und wusste, wird kritisch beleuchtet.

Startpunkt: Rathausplatz (Augustusbrunnen)
Dauer: ca. 100 Minuten
Ende: Park am Roten Tor

Der postkoloniale Audiowalk ist ab sofort dauerhaft verfügbar in der App storydive unter der Webadresse get.storydive.de. Mehr Infos zur Handhabung gibt es auf der Website von bluespotsproductions.

Konzipiert wurde der postkoloniale Audiowalk von bluespots productions und postcolonial realities.

Spuren von Menschen – Kunst kennt keine Barrieren

2 Bildcollagen auf Staffeleien

Menschen möchten gerne Spuren hinterlassen. Das gilt für alle Menschen, also auch für Menschen mit Behinderungen. „Aber wie geht das?“, fragt der Heilerziehungspfleger und Künstler Romano Gurgi-Mondigi. Das künstlerische Schaffen von Menschen mit Behinderungen ist oft nicht zu sehen. Ein Mensch mit Behinderung kann meistens nicht dafür sorgen, dass die eigene Kunst sichtbar wird.

Gurgi-Mondigi meint, dass „im Kleinen jeder Mensch die Welt bewegt. Da geht es nicht um Berühmtheit oder Welt-Politik“. Er beklagt, dass betrunkene Passanten in einer Stadt wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen würden als Menschen mit Behinderung, die im Keller sitzen und malen. Daher machte er mit behinderten Menschen eine Kunst-Aktion. Die Werke behinderter Künstler:innen sollten Öffentlichkeit erhalten. Sie sollten somit Spuren hinterlassen. Im Sommer 2021 wurde eine Zusammenarbeit mit der Augsburger Moritzkirche und dem Domenikus-Ringeisen-Werk beschlossen. Gurgi-Mondigi erstellte mit behinderten Menschen verschiedene Kunst-Werke. Er besorgte das nötige Material, die Farben, die Pinsel, die Werkzeuge. Die Kunstwerke wurden von den Künstler:innen selbst geschaffen. Es entstanden ja nach Begabung Bilder, Collagen, Skulpturen und Figuren. Diese wurden dann im Begegnungs-Café „moritzpunkt“ ausgestellt. Der Titel der Ausstellung lautete: „Unsere Spuren – Kunst kennt keine Barrieren.“

Die Ausstellung zeigte, dass künstlerisches Tun keine Frage einer körperlichen oder geistigen Einschränkung ist. Denn Kunst ist keine Erfindung, sondern eine Schöpfung. Gurgi-Mondigi freut sich über das Interesse an der Ausstellung und neue Kontakte. Diese können neue Aktionen mit offenen Werkstätten ergeben. Auch Workshops mit der der Universität in Augsburg. Für den nächsten Sommer plant Gurgi-Mondigi eine öffentliche Veranstaltung mit malenden Rollstuhlfahrer*innen auf dem Augsburger Moritzplatz. Gurgi-Mondigi weiß: „Im Begegnen und Vertrauen können Barrieren abgebaut werden.“

Die Filmemacherin Stefanie Sixt hat darüber einen Film erstellt. Sie zeichnet das Entstehen dieser besonderen Kunst nach. Auch die Ausstellung wird im Film gezeigt.

Text: Arno Loeb, Barbara Thiele, Foto: Arno Loeb

Rap und echte Kerle

Zwei große Regenbogen-Fahnen im Regen

Vor allem im Mainstream-Rap sind die Musiker weiterhin noch echte Kerle. Das ist so in den Bildern und in den Texten. Frauen sind meist nur schmückendes Beiwerk und Sex-Objekte. Mainstream ist ein englisches Wort. Es bedeutet „Hauptströmung“. Der Mainstream spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider. Zum Massen-Geschmack gehört eben auch Gangsta- und Porno-Rap. Auch wenn die Musiker oft nur so tun, als seien sie Gangster. In Deutschland sind sehr viele Rapper diesem Stil verfallen. Zur Szene gehört die Verachtung von Homo-Sexualität und von Frauen. Dazu kommt die Verherrlichung von Gewalt.

Die Berliner Rapperin Sokee hat schon früh darauf hin gewiesen. Sie fand das schlecht und hat das auch so gesagt. Viele erfolgreiche Rapper in Deutschland sind aus Migranten-Familien. Migrant:in meint Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind. Die in anderen Ländern geboren und aufgewachsen sind. Migrant:innen werden oft diskriminiert. Diskriminierung heißt, Menschen schlechter zu behandeln als andere Menschen. Zum Beispiel werden Menschen beschimpft, weil sie aus einem anderen Land kommen. Oder manchmal bekommt eine Frau einen Arbeits-Platz nicht, weil sie eine Frau ist. Oder manchmal darf ein Mann beim Sport nicht mitmachen, weil er homo-sexuell, also schwul ist. Das sind Beispiele für Diskriminierung.

Sokee findet es um so schlimmer, mit eigener Diskriminierungs-Erfahrung andere zu diskriminieren. Sie versteht nicht, dass diese Rapper Homo-Sexuelle und Schwulsein so hassen. Und davon singen. Sokee bezeichnet sich als queer. Queer (ausgesprochen: Kwier) kommt aus dem Englischen. Es heißt sonderbar, eigenartig oder komisch. Menschen sagen von sich selber, dass sie queer sind. Sie wollen sich abgrenzen von der „normalen“ festgelegten Hetero-Sexualität. Dass es immer nur Bilder und Geschichten davon gibt. Dass eine Frau nur einen Mann lieben darf und ein Mann eine Frau. Queere Menschen bezeichnen sich gerne als sonderbar. Und finden es gut, dass da Platz entsteht für mehr. Mehr an Vielfalt und Leben.

Sokee bei Wikipedia mit umfangreicher verlinkter Materialsammlung

Website von Sokee (mit Musik- und Konzert-Ausschnitten)

Bild: Corinna Behrens – Pixabay

KunstGang verschönert Schaufenster

Ans Fenster gemalter Schriftzug "KunstGang"

Leben in die Stadt bringen – das wollte das Projekt KunstGang. Mit einer Ausstellung von Künstler:innen in der Augsburger Innenstadt. Die Kunst-Werke waren in 18 Schaufenstern und Vitrinen zu sehen. Mit diesem Projekt sollte die Innenstadt zu einem Besuch einladen. Neues kann in der Stadt entdeckt werden. Das soll den Künstler:innen und den Händler:innen nutzen.

Der Verein Schöne Felder e.V. hat dazu aufgerufen. Aus rund 60 Bewerbungen wurden 17 Künstler:innen und Künstler:innen-Gruppen ausgewählt. Entwickelt wurde auch ein Audio-Führer. Den gibt es noch auf der Website der KunstGang, wo zudem sämtliche beteiligten Künstler:innen und die Standorte verzeichnet sind.

Demokratie-Spiel für junge Menschen

Pareaz hat ein Demokratie-Spiel für junge Menschen gemacht. Das Wort Demokratie ist griechisch. Es heißt auf Deutsch: „Herrschaft des Volkes“. Demokratie ist eine Staats-Ordnung. Eine Ordnung, die sagt, wer in einem Staat bestimmen darf. Die Ordnung sagt auch, wer Gesetze machen darf. In einer Demokratie bestimmt das Volk. Das Volk wählt Vertreter:innen.

Für die Spiel-Entwicklung hat der Verein Geld bekommen – für Demokratie-Förderung. Es geht darum, jungen Menschen Demokratie zu erklären. Es ist ein Stadt-Spiel. Man spielt es draußen. Das Spiel ist für das Gaswerk in Augsburg angelegt.

Es soll junge Menschen dazu anregen, sich mehr mit Demokratie-Fragen zu beschäftigen. Das Thema liegt quasi „vor der Haustür“: Demokratie im Quartier. Es geht nicht nur darum wie das Ganze funktioniert. Sondern auch, wie man selbst dabei mitmischen kann.

Das Spiel/ Quiz kann als Rallye gespielt werden. Dazu erhalten alle Teilnehmenden ein Fragen-Heft, einen Gelände-Plan mit neun Stationen und ein Smartphone. An den Stationen gibt es verschiedene Geschichten zu hören oder zu lesen. Diese werden im Web aufgerufen.

Wer mit Kindern arbeitet, der kann diese Materialien sowie die dazugehörigen QR-Codes bei uns anfordern. Das Demokratie-Spiel wurde mit Kindern und Jugendlichen aus dem sonderpädagogischen Bereich sowie mit geflüchteten Jugendlichen erarbeitet. Das Spiel ist so wie es ist für das Gaswerk in Augsburg gemacht. Es kann aber auch auf andere Orte übertragen werden. Zum Beispiel kann es auch in einer Schule oder in einem Jugend-Zentrum gespielt werden.

Link zur Projekt-Website

Zukunfts-Leitlinien für Augsburg

1992 hat die Konferenz der die Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung beschlossen, dass alle Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt Ziele für die Zukunft erarbeiten sollen. Diese Ziele sollten sie gemeinsam mit ihren Bürger:innen abstimmen. Wie soll die Stadt oder die Gemeinde im 21. Jahrhundert aussehen? Wie wollen die Menschen im Ort miteinander leben? Und wie wollen sie die Zukunfts-Fähigkeit – ein gutes und gesundes Leben für alle Menschen an ihrem Ort sichern?

In vielen Städten und Gemeinden setzen sich seitdem aktive Bürger:innen dafür ein, diese Ziele zu benennen. Diese Liste mit den Zielen für die Zukunft wird „Agenda“ genannt. Eine Agenda ist eine Liste in der Ziele festgehalten werden. Die Ziele werden genau beschrieben und auch wie sie erreicht werden können. Und weil sie sich auf eine Stadt oder Gemeinde bezieht und nicht wie bei den Vereinten Nationen auf die ganze Welt, heißt es „Lokale Agenda 21“. Lokal meint auf einen Ort beschränkt. Die Zahl 21 steht für das 21. Jahrhundert, die nahe Zukunft.

Im Jahr 2015 hat dann Vollversammlung der Vereinten Nationen die Agenda 2030 mit 17 Weltnachhaltigkeits-Zielen beschlossen. Nachhaltigkeit sind Ziele und Regeln von Menschen. Nachhaltigkeit bedeutet, nur so viel von einer Sache zu verbrauchen, wie in der Natur neu entsteht. Wenn man etwas nachhaltig tut, bedeutet das, dass man damit auch in Zukunft immer so weitermachen könnte. Schon vor 300 Jahren haben Menschen überlegt, wie man Holz in einem Wald fällen kann, ohne dass der Wald dadurch kleiner wird. Sie haben jedes Jahr nur so viel Holz geholt, wie in der Zwischenzeit nachwachsen konnte. Das ist ein Beispiel für nachhaltige Wald-Wirtschaft. Heute spricht man viel über Nachhaltigkeit, vor allem in Verbindung mit Umwelt- und Klima-Schutz.

Klima meint alles Wetter zusammen. Das Wetter der letzten 30 Jahre zusammen gesehen. Zum Beispiel ob es warm oder kalt gewesen ist. Klima ändert sich nur langsam. Das Klima wandelt sich und die Umwelt auch. Der Klima-Wandel verändert unsere Erde. Vieles von dem wir jetzt leben, gibt es für die Menschen in der Zukunft nicht mehr.

Zum Beispiel Regeln für Trink·Wasser. Damit es sauber bleibt. Alle Sachen soll man sorgfältig machen. Damit Sachen nicht kaputt gehen. Und damit Sachen lange halten. Alle Menschen sollen gut leben können. Die Menschen sollen die Natur gut behandeln. Der Natur und den Menschen soll es durch Nachhaltigkeit lange Zeit gut gehen.

Seit 25 Jahren treten Augsburger:innen gemeinsam im Lokalen Agenda 21-Prozess für eine nachhaltige Entwicklung Augsburgs ein. Mit dabei sind Umwelt- und Eine-Welt-Gruppen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, kirchliche Gruppen, Vertreter der Wirtschaft, der Stadtverwaltung und andere Organisationen. Gemeinsam arbeiten sie für eine zukunftsfähige und lebenswerte Stadt Augsburg.

Viele Menschen, die in Augsburg leben, haben gemeinsam die Zukunfts-Leitlinien erarbeitet. Der Stadtrat hat im Juli 2015 die Zukunfts-Leitlinien für Augsburg beschlossen.

Die Zukunftsleitlinien haben vier Bereiche:

  1. Wie können wir unsere Natur schützen – das ist die Ökologische Zukunftsfähigkeit.
  2. Wie können alle Menschen gut leben – das ist die Soziale Zukunftsfähigkeit.
  3. Wie können wir sparsamer sein – das ist die Ökonomische Zukunftsfähigkeit.
  4. Wie wollen wir zusammenleben – das ist die Kulturelle Zukunftsfähigkeit.

Es gibt bei der Stadtverwaltung ein Büro für Nachhaltigkeit. Dieses Büro hat die Zukunfts-Leitlinien in einfacher Sprache in einer Broschüre herausgebracht. Hier kannst du lesen, was du tun kannst, um unsere Erde und unsere Stadt zu beschützen. Die 10-seitige Broschüre kann als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Bild: Bildschirmfoto (Ausschnitt) Website www.nachhaltigkeit.augsburg.de

Kunst aus Holzlatten

Martin Steinert ist ein Künstler, der Holzlatten zusammenschraubt. Wenn alle Latten zusammengeschraubt sind, ergeben sie ein Objekt, eine Skulptur, eine Figur. Diese hat er sich zuerst ausgedacht und dann als handgroßes Modell gebaut. Das kann mal eine Kugel, mal ein ‚Boot, eine Brücke, ein Dach oder auch eine Treppe in den Himmel sein. Diese Figuren aus Schrauben und Holzlatten können oft viele Meter breit, lang und hoch werden. Oft mehrfach höher als Menschen und länger als Busse. Steinert baut seine Latten-Objekte an ganz verschiedenen Orten zusammen. Das sind oft besondere Plätze. An einem See, auf der Insel eines Kreisverkehrs, in einem zentralen Park, bei einem Kohlebergwerk, über einem Wassergarten, am Wohnhaus eines Dichters, neben einem Fluss oder in einer Kirche. Manchmal hängt er seine Figuren zwischen Bäumen oder Wänden auf und nennt sie dann Wooden Cloud, also Holz-Wolke.

In Augsburg hat sich Steinert für sein Kunstwerk aus Holz den Platz hinter dem Rathaus ausgesucht. Der heißt nach dem berühmten Augsburger Baumeister Elias Holl. Drei Wochen lang baut Steinert im Sommer an seinem Objekt in Augsburg, bis es fertig ist. Die Skulptur mit 1800 Latten ist rund 15 Meter lang, 5 Meter hoch und 4 Meter breit. Dazu benötigt er ungefähr 5000 Schrauben aus Stahl. Er dreht sie mit einem Akkuschrauber immer durch zwei oder drei Latten, damit sie zusammenhalten. Jede Latte aus Fichtenholz ist 1 Meter lang.

Das zusammengeschraubte Objekt heißt „A Shell Of a Nut“, also Schale einer Nuss. Die staunenden Besucherinnen und Besucher können überall hindurchsehen. Normalerweise dürfen Kunstwerke nicht berührt werden. Das ist bei Steinerts Holz-Objekten völlig anders. Er wünscht sich, dass sein Kunstwerk berührt wird und auch beschriftet. Viele Menschen in Augsburg haben schon ihre Wünsche und Hoffnungen auf eine der Holzlatten mit einem schwarzen Filzstift geschrieben, den der Künstler gerne dafür ausleiht. So können wir schöne Sätze lesen: „Glück und Gesundheit fürs Murmeltier“, „Endlich Kinderrechte ins Grundgesetz“, „Guten Abend, gute Nacht für ALLE“ oder „Make Love Not War“. Das passt natürlich zur Friedensstadt Augsburg bestens.

Dieses Kunst-Geschehen zwischen Rathaus und Kloster wird durch die Augsburger „maxgalerie“ von Urban Reichert veranstaltet . Es wird von der Arno Buchegger Stiftung und den Holzbaubetrieben Scheiffele Schmiederer und Gumpp & Maier finanziert.

Beitrag von Arno Loeb, Fotos vom Lima 423

Vielfalt im Museum

Auf einer alten Schreibmaschine ist ein Papier eingespannt, auf dem stehen die Wörter Museum, Ausstellung und Bilder

Einmal im Jahr ist Diversity-Tag. Diversity ist ein schweres Wort. Es ist ein englisches Wort. Es meint Vielfalt. Es meint aber noch mehr – nämlich den bewussten Umgang mit der Vielfalt und der Verschiedenheit der Menschen. Es geht darum, diese Verschiedenheit gut zu finden. Als etwas, was das Leben reicher macht. Wichtig ist, niemanden schlechter zu stellen und zu behandeln. Alle sollen die gleichen Chancen haben.

Am Diversity-Tag finden Veranstaltungen zum Thema Vielfalt statt. In Augsburg gab es ein Fach-Gespräch zum Thema Vielfalt in den Museen. Diese Diskussion fand online statt. Wenn Fachleute vor Zuhörer:innen miteinander sprechen, nennt man das Podiums-Diskussion. Die Fach-Leute haben oft andere Meinungen. Sie streiten darüber. Dabei erklären sie den anderen Menschen, warum sie diese Meinung zu dem Thema haben.

Zu der Diskussion hat OpenAfroAux eingeladen. Das ist eine Gruppe von (schwarzen) Menschen, die dafür sind, dass man sich in Deutschland mit der Vergangenheit bschäftigt. Und wie diese Vergangenheit den Blick auf die Welt prägt. Der Blick ist fast immer der von weißen Menschen. Diese sehen auf andere oft ärmere Länder und Menschen anderer Hautfarbe herunter. Das findet sich dann auch in der Art und Weise wieder, wie Museen etwas zeigen. So sind dann auch oft die Ausstellungen von diesem Blick geprägt.

Diskutiert wurde die Frage: Was müssen Museen im Umgang mit ihren Objekten und ihrer Ausstellungspraxis ändern? Geschichte wird in Museen häufig rein aus der Sicht von Deutschland und Europa und von weißen Menschen erzählt. So wird Kolonialismus wiederholt. Kolonialismus sagt man zu der Eroberung von Land auf anderen Erdteilen durch Gewalt durch europäische Länder. Die dort lebenden Menschen wurden dabei nicht gefragt. In den Ländern wurden oft Städte und Festungen gegründet. Damit von dort das Land überwacht und ausgebeutet werden konnte. Es ging vor allem um Gold, Silber und Edelsteine. Später kamen auch Baumwolle, Kaffee, Kakao, Tee oder Bananen dazu. Es wurde auch mit Sklaven gehandelt. Sklaven sind gefangene Menschen, die als Eigentum verkauft werden.

Auch Rassismus findet man in den Ausstellungen wieder. Rassismus ist eine Art, wie manche Menschen über andere Menschen denken. Rassistische Menschen denken, dass es verschiedene Gruppen von Menschen gibt, sogenannte Rassen. Oft geht es dabei um die Hautfarbe. Aber auch Menschen mit einer bestimmten Abstammung oder Religion werden manchmal einer Rasse zugeordnet, wie zum Beispiel die Juden. Rassismus geht aber noch viel weiter. Die verschiedenen Menschen sollen auch nicht alle denselben Wert haben. Gewisse Völker oder Menschen aus diesen Völkern werden dann als dumm, faul oder auf eine andere Art minderwertig dargestellt.

Die Ausstellungen und die Objekte in den Sammlungen und Museen müssen also kritisch angesehen werden. Es geht darum, koloniale und rassistische aber auch europäische Blicke und Sichtweisen zu erkennen und zu verändern. In der Veranstaltung wurde gefordert, Geschichte aus vielerlei Sichten zu erzählen. Das heißt in der Fachsprache „multi-perspektivisch“. Es gibt dafür gute Beispiele aus anderen Städten. In Augsburg beginnt das Fugger- und Welser-Museum die eigenen Sammlungen und deren öffentliche Darstellung kritisch zu betrachten. Ein Beispiel ist es, wenn bei Stadtführungen in Augsburg auch die Geschichte von Zuwanderung und zugewanderter Menschen mit gezeigt wird.

Am Schluss der Diskussion sind sich die Fachleute einig. Die Museen sollen sich als Häuser in einer Gesellschaft der Vielfalt verstehen. Für eine andere Ausrichtung und vielfältige Blicke gibt es genügend Ideen und auch Beispiele.

Dieser Text ist in einfacher Sprache gehalten. Er geht zurück auf den Beitrag “Welcher Blick zählt?” von Juliana Hazoth vom 25.05.2021, veröffentlicht von a3kultur – Feuilleton für Augsburg Stadt/Land und Wittelsbacher Land.
Zur Quelle: http://a3kultur.de/positionen/welcher-blick-zaehlt